Schlag gegen "Islamischen Staat" auf dem Sinai

5. August 2016, 16:31
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Die ägyptische Armee vermeldet den Tod des IS-Chefs auf dem Sinai und weiterer 45 Militanten im Laufe einer Serie von Luftschlägen

Seit drei Jahren reiht sich auf dem Sinai eine Militäroperation an die andere. Die jüngste dauert seit mehreren Wochen, vor allem in der unzugänglichen Hügelregion mit Höhlen und Kavernen. Regelmäßig meldet die Armee Funde von Waffen- und Sprengstofflagern. Regelmäßig muss sie aber auch von Toten und Verletzten in ihren eigenen Reihen berichten. Überprüfen lassen sich die Angaben und die tatsächliche Intensität der Auseinandersetzungen nicht.

Der Sinai ist Sperrgebiet für Journalisten und unabhängige Beobachter. Am Donnerstagabend vermeldete Armeesprecher Brigadier Mohammed Samir den Tod von Abu Doaa al-Ansari, dem Anführer der Jihadisten des "Islamischen Staates" auf dem Sinai. Im November 2014 hatte sich die lokale Organisation Ansar Beit al-Maqdis, die zuvor mit al-Qaida liiert war, zum IS bekannt. Der Name von al-Ansari – wahrscheinlich ein Nom de Guerre – war bis dahin aber noch nie aufgetaucht. Zusammen mit al-Ansari sollen südwestlich der Stadt al-Arish bei mehreren Luftangriffen weitere 45 Militante getötet worden sein. Über die genaueren Umstände machte die Armee keine Angaben. Sie ließ lediglich verlauten, die Operation sei aufgrund präziser Geheimdienstinformationen erfolgt.

Abgeschossener Airbus

Wie der Erfolg dieser Operation einzuschätzen ist, wird sich erst in den nächsten Monaten zeigen, wenn sich abschätzen lässt, ob die terroristischen Aktivitäten in dieser Unruheprovinz weniger werden. Ansar Beit al-Maqdis hatte sich nach ihrer Entstehung dem Kampf gegen Israel verschrieben; nach dem blutigen Sturz der Islamisten im Sommer 2013 ihren Fokus aber auf Ägypten gerichtet und hunderte von Soldaten und Polizisten getötet, um das Regime zu schwächen. Ende Oktober des letzten Jahres hatte der ägyptische IS-Ableger "Wilayat Sina" (Provinz Sinai) die Verantwortung für den Absturz des russischen Airbusses mit 224 Toten in der Nähe von Sharm el-Sheikh übernommen.

Der ägyptische Präsident Abdelfattah al-Sisi hat inzwischen eingeräumt, dass es sich um ein Attentat gehandelt hat. Details haben die Untersuchungsbehörden aber bis heute nicht veröffentlicht. Russland hat nach der Katastrophe sämtliche Flüge nach Sharm el-Sheikh eingestellt und noch nicht wieder aufgenommen. Probleme mit islamistischen Extremisten gibt es im Norden der Sinai-Halbinsel seit Jahrzehnten. Die Region wurde von der Regierung in Kairo gezielt vernachlässigt, die lokalen Beduinen als unzuverlässig eingestuft. Heute leidet die Zivilbevölkerung an dieser Unterentwicklung und viele Unschuldige werden Opfer der militärischen Kampfhandlungen.

Ein Ausnahmezustand schränkt die Bewegungsfreiheit zudem massiv ein. In den letzten Monaten wurde von den Behörden in Kairo ein Entwicklungsplan für den Sinai angekündigt, um diese Defizite zu beseitigen. Zur Finanzierung wurde im Frühjahr mit der saudischen Regierung ein Abkommen über einen speziellen Entwicklungsfonds in der Höhe von 1,5 Milliarden Dollar geschlossen. ( Astrid Frefel, 5.8.2016)

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