Forscher bringen Frauenporträt unter Degas-Gemälde ans Licht

6. August 2016, 20:47
17 Postings

Warum der französische Künstler Degas das Porträt einer jungen Frau im 19. Jahrhundert übermalt hat, ist nicht geklärt

Melbourne – Australische Forscher haben mithilfe modernster Technik ein Frauenporträt von Edgar Degas sichtbar gemacht, das der Künstler selbst übermalt hatte. Das Bildnis zeigt das zur damaligen Zeit beliebte Model Emma Dobigny – allerdings mit spitzen Elfenohren. Das Team präsentiert eine technische Nachbildung des versteckten Porträts nun in der Fachzeitschrift "Scientific Reports".

Über das Bild der jungen Frau hatte der französische Künstler das bekanntere Werk "Porträt einer Frau" gemalt, das eine ältere Frau mit schwarzer Kleidung und einer schwarzen, schleierartigen Haube zeigt. Degas malte die unbekannte ältere Frau zwischen 1876 und 1880. Schon lange wissen Experten, dass sich hinter dem eigentlichen Gemälde ein anderes verbirgt, das sogar durch die oberen Farbschichten durchscheint.

Röntgenstrahlen hatten bisher ein verstecktes, auf dem Kopf stehendes Frauenporträt vage sichtbar gemacht. Allerdings waren mit dieser Methode nur schwarz-weiße, schemenhafte Umrisse zu erkennen. Nun ist dieser Porträtversuch, den Edgar Degas offenbar vor der Öffentlichkeit verstecken wollte, detailliert und farbig auf dem Bildschirm der australischen Forscher wiedererschienen.

Elemente verraten Farbgebung

Das Forscherteam um David Thurrowgood von der National Gallery of Victoria in Melbourne hat das Gemälde unter anderem mittels Röntgenfluoreszenzanalyse untersucht. Mit dieser Technik kann die chemische Zusammensetzung von Materialien erkannt werden, weil die Elemente charakteristische Strahlung absondern. Wegen der großen Datenmenge, die dabei entsteht, ist das Scannen großer Bildbereiche mit guter Auflösung erst seit einigen Jahren möglich. Den erkannten Elementen, wie Kupfer oder Quecksilber, ordneten die Wissenschafter Farben von Degas Farbpalette zu, die das chemische Element enthalten. Sie reproduzierten auf diese Weise, Pixel für Pixel, eine detaillierte Darstellung des versteckten Gemäldes.

Im Porträt, das so auf dem Bildschirm erschien, erkannten die Wissenschafter eine Frau, die zur damaligen Zeit bei Malern ein gefragtes Model war: Emma Dobigny. Auch Degas malte sie öfter. Bei dem übermalten Porträt konzentrierte sich der Künstler offenbar auf die Ohren. Diese wirken auffällig spitz. Die Forscher stellten fest, dass der Maler dies mit einigen Korrekturen abmildern wollte. Tatsächlich wird von Degas behauptet, dass er eine einige Zeit lang solche Elfenohren malte.

Methode zu Entlarvung von Fälschungen

Die Forscher sehen in ihrer Entdeckung nicht nur eine kunsthistorische Bedeutung. Auch könne die Technik angewendet werden, um den Malstil eines Künstlers eindeutiger zu bestimmen und so Fälschungen zu erkennen. Nach Angaben der Forscher blieb das Bild von der Strahlung unbeschädigt.

Edgar Degas wurde 1834 in Paris geboren und ist als Künstler zwischen traditionellem Stil und dem modernen Impressionismus einzuordnen. Der Maler wiederholte bestimmte Themen öfter, wie Balletttänzerinnen, Frauen bei der Körperpflege und Pferderennen. Gegen Lebensende erblindete er und widmete sich der Bildhauerei. (APA, red, 6.8.2016)


Abstract
Scientific Reports: "A Hidden Portrait by Edgar Degas."

  • Die australischen Wissenschafter untersuchten Degas' "Porträt einer Frau" unter anderem mithilfe der Röntgenfluoreszenzanalyse.
    foto: apa/afp/nature publishing group/david thurrowgood

    Die australischen Wissenschafter untersuchten Degas' "Porträt einer Frau" unter anderem mithilfe der Röntgenfluoreszenzanalyse.

  • Unter den Farbschichten kam das Bildnis des Models Emma Dobigny zum Vorschein.
    foto: ap/australian synchrotron and the national gallery of victoria

    Unter den Farbschichten kam das Bildnis des Models Emma Dobigny zum Vorschein.

Share if you care.