Air Berlin schafft Gratisgetränke auf Europaflügen ab

5. August 2016, 13:58
124 Postings

Fly Niki streicht Gratisgetränke "vorerst nicht" und führt noch dieses Jahr eine Businessclass ein

Wien/Schwechat – Die verlustträchtige deutsche Fluglinie Air Berlin lässt sich Getränke und Snacks an Bord künftig bezahlen. Noch heuer müssen Passagiere auf Inlands- und Europastrecken für Kaffee, Wasser, Bier und Snacks in den Maschinen Geld zahlen, wie eine Air-Berlin-Sprecherin am Freitag sagte. Bisher waren die Leistungen im Flugpreis inbegriffen.

Eine Sprecherin der Air-Berlin-Tochter Fly Niki sagte auf APA-Anfrage, man werde "vorerst nicht" dabei mitziehen und die Gratisgetränke nicht abschaffen.

Auch die Thomas-Cook-Tochter Condor gab bekannt, dass Economy-Gäste außer auf der Langstrecke nur noch bis Ende Oktober Wasser, Kaffee und Tee umsonst erhalten. Für andere Getränke und Essen verlangt Condor schon bisher Geld. Zuerst hatte die Fachzeitschrift "fvw" über die Änderung berichtet.

Businessclass im Anflug

Wann genau bei Air Berlin die Umstellung erfolgt und wie viel Geld die zweitgrößte deutsche Fluglinie Air Berlin damit spart, sei derzeit nicht klar. Gleichzeitig richtet der Lufthansa-Konkurrent in den Jets seiner Europaflotte eine Businessclass ein. Die erste Reihe der Flugzeuge werde künftig für Passagiere der Buchungsklasse reserviert. Speziell angefertigte Sitze werde es aber nicht geben, dafür bleibe der Mittelsitz zwischen den Passagieren frei. Die Anordnung findet sich auch bei anderen europäischen Airlines.

Auch Niki will im Rahmen der Neuausrichtung noch in diesem Jahr eine Businessclass auf Europaflügen anbieten. "Für Niki ist die Einführung einer Businessclass auf der Kurz- und Mittelstrecke ein wichtiger strategischer Schritt bei der weiteren Entwicklung der Airline", so Fly-Niki-Chef Oliver Lackmann am Freitag in einer Aussendung. Die Entscheidung für ein Businessclass-Angebot auf innereuropäischen Strecken soll ein "noch komfortableres Reiseerlebnis" bieten.

Air Berlin weiter in der Krise

Die mit ihrem Mallorca-Shuttle bekannt gewordene Air Berlin steckt wegen eines übereilten Expansionskurses und einer unklaren Strategie tief in der Krise. In den vergangenen acht Jahren wurden unter dem Strich nur einmal schwarze Zahlen eingeflogen. Vergangenes Jahr erreichte der Nettoverlust mit knapp 450 Millionen Euro Rekordhöhe. Großaktionär und Geldgeber Etihad – eine staatliche Fluglinie vom Persischen Golf – drängt verstärkt auf eine Trendwende.

Ein Ende der Misere könnte Branchen-Insidern zufolge ausgerechnet durch Lufthansa kommen. Der Erzrivale verhandelt Brancheninsidern zufolge mit den Berlinern über den Kauf eines Teils des Geschäfts. Konkret gehe es um die Übernahme von etwa 40 der 150 Maschinen aus der Air-Berlin-Flotte samt Crews, hatten mehrere mit den Verhandlungen vertraute Personen Mitte Juli zu Reuters gesagt. Die Flugzeuge seien vor allem auf touristischen Strecken abseits der beiden Air-Berlin-Drehkreuze Berlin und Düsseldorf unterwegs. Die Lösung hätte auch Charme für Etihad, da die schnellwachsende Gesellschaft vor allem daran interessiert ist, über Air Berlin mehr Passagiere an das eigene Drehkreuz nach Abu Dhabi in den Vereinigten Arabischen Emiraten zu lotsen. (APA, Reuters, 5.8.2016)

  • Auf Europa-Flügen will man den Passagieren noch heuer mehr Komfort bieten.
    foto: apa/robert jaeger

    Auf Europa-Flügen will man den Passagieren noch heuer mehr Komfort bieten.

Share if you care.