IS-Jihadisten nehmen 3.000 Iraker gefangen

5. August 2016, 12:03
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Mindestens zwölf Menschen sollen getötet worden sein

Berlin – Die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) soll nach UN-Angaben im Nordirak bis zu 3.000 Menschen auf der Flucht gefangen genommen haben. Wie das Flüchtlingswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) am Freitag weiter berichtete, sollen die Menschen bereits am Donnerstag vor heftigen Kämpfen in der Provinz Kirkuk geflohen sein. Mindestens zwölf Flüchtlinge sollen getötet worden sein.

Die Hilfsorganisation stützt sich auf nicht näher bezeichnete Berichte, die sie aus dem Konfliktgebiet erhalten habe. Die Irakische Beobachtungsstelle für Menschenrechte (IOHR) berichtete von 1.900 Zivilisten, die aus der Stadt Al-Hawija, rund 60 Kilometer westlich von Kirkuk, geflohen seien. Schätzungsweise 100 bis 120 IS-Kämpfer hätten sie aufgehalten und entführt. Dutzende seien getötet worden, sechs von ihnen sollen verbrannt worden sein.

Die Menschenrechtsbeobachter im Irak arbeiten nach eigenen Angaben mit Journalisten und Aktivisten in den Regionen zusammen, die wiederum mit Augenzeugen vor Ort in Kontakt stehen.

Kirkuk ist das Zentrum der irakischen Ölindustrie. Die Gegend im Süden und Westen der Stadt soll nach Angaben der Aktivisten seit Juni 2014 unter Kontrolle der Terrormiliz IS stehen. Vor zwei Wochen hätten irakische Sicherheitskräfte begonnen, den Bezirk zu belagern und gegen den IS vorzugehen.

Viele Tote durch Unterversorgung

Augenzeugen berichteten den Menschenrechtsbeobachtern von schrecklichen Zuständen. Die Bewohner seien vom IS als menschliche Schutzschilde missbraucht worden. Viele Menschen, unter ihnen vor allem Frauen und Kinder, seien wegen des Mangels an Nahrung, Wasser und Medizin gestorben.

Die Terrormiliz "Islamischer Staat" entführt immer wieder Flüchtlinge und Bewohner im Irak und in Syrien. Im Sommer 2014 rückten die Jihadisten auf die Stadt Sinjar vor und trieben tausende Menschen in die Flucht, darunter vor allem Angehörige der religiösen Minderheit der Jesiden. Mehr als 7.000 Frauen und Kinder gerieten nach dem Massaker in die Geiselhaft des IS. Auch Christen werden immer wieder von den Terroristen entführt.

Neben religiösen Minderheiten werden aber auch Zivilisten oder gezielt bestimmte Berufsgruppen entführt. In die Tausende geht ihre Zahl. Während manche verschleppt werden, um von den Familien Lösegelder zu erpressen, verschwinden andere, um jede Art von staatlichem Fundament im Hoheitsgebiet des IS zu erschüttern. Medien berichten von hunderten Ärzten, Polizisten, Anwälten und Journalisten, die in den vergangenen Jahren im Irak und in Syrien verschwanden.

Unterstützt von US-geführten Luftangriffen haben die irakische Armee und Kurden-Truppen die IS-Miliz in den vergangenen Monaten zurückdrängen können. Die Extremisten kontrollieren aber noch immer weite Teile des Irak und des benachbarten Syrien. Nach der Rückeroberung von Falluja rückt die irakische Armee auf die Millionenstadt Mossul vor.

Am Freitag wurde bekannt, dass erstmals auch die dänische Luftwaffe IS-Stellungen in Syrien angegriffen hat. Bisher griff das Nato-Mitglied die Islamisten nur im benachbarten Irak an. Nun aber bombardierten vier F-16-Kampfjets auch die syrische IS-Hochburg Raqqa. Dabei seien unter anderem Waffenlager und feindliche Kämpfer ins Visier genommen worden.

Die UN rechnen im Falle eines Angriffs auf die IS-Hochburg mit mindestens einer Million Flüchtlingen. Das UNHCR hat deswegen mit dem Aufbau zweier Flüchtlingslager im Norden der Stadt für insgesamt rund 21.000 Menschen begonnen. Seit dem Vormarsch der Islamisten vor zwei Jahren sind im Irak 3,4 Millionen Menschen auf der Flucht. (APA, AFP, 5.8.2016)

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