Kunstmessen in Salzburg: Traditionelles zum Brimborium

5. August 2016, 16:06
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Als Nebenschauplatz im Festspielbrimborium profitieren Kunstmessen von der Gästeschar. Seit 2007 pflegt man diese Tradition im Sommer mit der "Art Salzburg" und seit 2015 mit der "Art & Antique"

Verglichen mit der Chronik der Salzburger Festspiele ist jene zeitgleich stattfindender Kunstmessen eine junge. Keine Dekade ist es her, als 2007 in Salzburg die erste Sommerkunstmesse stattfand. Was sich vor Jahrzehnten parallel zu den Osterfestspielen etablierte, müsse ja von dem im August aus der ganzen Welt angereisten Publikum ja regelrecht gestürmt werden. In der Fantasie des damaligen Initiators gewissermaßen ein Selbstläufer. So weit die Theorie, denn die Praxis lehrte anderes.

Bruce Lamarches "Salzburg World Fine Art Fair" war nach zwei Jahren Geschichte. Viele der internationalen Granden des Kunsthandels, die zum Teil aus Frankreich oder der Schweiz angereist waren, blieb diese Episode an der Salzach bestenfalls als wirtschaftliches Nullsummenspiel in Erinnerung. Besser war es für die heimische Händlerelite gelaufen, die auch auf Stammkunden aus dem Einzugsgebiet hoffen durfte.

Die Herausforderung: Das Gros der kaufkräftigen Lokalklientel flüchtet vor dem Festspiel-Brimborium von jeher gerne in den Urlaub, die Gäste bei steigenden Temperaturen bis zu den Abendvorstellungen wiederum an die Seeufer im Umland. Dennoch warf das Geschäft so viel ab, das weiteres Engagement lohnte. Insbesondere dem Wiener Kunsthandel lag viel daran, diesen aufgrund des Festspielpublikums internationalsten Messestandort des Landes, aufrechtzuerhalten.

In Wolfgang Pelz (u. a. "Art Austria") fand man für die nächsten Jahre (bis inkl. 2014) einen willigen Veranstalter der fortan als "Art Salzburg" firmierenden Messe. Vergangenes Jahr zog sich Pelz zurück, übernahm eine Gruppe rund um Lokalmatador Thomas Salis und leitete einen Imagewandel des Formats ein. Denn bislang war die Messe für ein Angebotsspektrum gestanden, das in seiner Vielfalt schon mal als Gemischtwarensortiment kritisiert wurde.

Neben Salis (Salzburg) quartierten sich 2015 Wienerroither & Kohlbacher, die Galerie Ruberl, Fotospezialist Johannes Faber (alle Wien) sowie Beck & Eggeling (Düsseldorf) in der Sala Terrena der Universität Salzburg ein. Und auf diese Entourage – ergänzt um Philipp Konzett – stößt man ebendort auch heuer, wobei die Laufzeit des "Kunstsalons Art Salzburg" auf drei Wochen (bis 28. 8.) verlängert wurde.

"Kunstsalon Art Salzburg"

Die "kuratierte Verkaufsausstellung" umfasst historische und zeitgenössische Fotografie, etwa von André Kertész oder Dennis Hopper (Galerie Faber) sowie frühe Papierarbeiten Oskar Kokoschkas und Werke aus verschiedenen Schaffensperioden Arnulf Rainers (Galerie Ruberl). Konzett bringt Arbeiten des Aktionismus der 1960er-Jahre und österreichische Positionen des erweiterten Kunstbegriffes nach Joseph Beuys. Thomas Salis fokussiert auf Arbeiten der Moderne aus Deutschland und Frankreich, ergänzt um zeitgenössische Positionen und ausgesuchte Design-Highlights des 20. Jahrhunderts.

Wienerroither & Kohlbacher bedienen wiederum Begehrlichkeiten in der Sektion des frühen 20. Jahrhunderts mit Klimt und Schiele ebenso wie mit Bildern von Lyonel Feininger oder Ernst Ludwig Kirchner. Daran knüpfen Beck & Eggeling mit Kunst des Impressionismus, Expressionismus und der klassischen Moderne an. Die Düsseldorfer Galerie, die auch für ihr Angebot an Werken der Künstlergruppe Zero bekannt ist, wird demnächst übrigens eine Niederlassung in Wien eröffnen, die von Katharina Husslein, Tochter der scheidenden Belvedere-Direktorin, geleitet wird.

Neben dem Warenangebot in der Sala Terrena wurde heuer im Hof Dietrichsruh ein Skulpturengarten kreiert, wobei sich die Positionierung der bildhauerischen Protagonisten an den Koordinaten der ursprünglichen Gartenanlage orientiert. Monumentales steuern hier auch die Galerie bei der Albertina (Avramidis) sowie Galerie Thaddaeus Ropac (Tony Cragg) bei.

Zusätzlich bestücken die Teilnehmer des Kunstsalons zeitgleich eine von Christa Armann (Galerie Ruberl) kuratierte Verkaufsausstellung in den Foyers im Haus für Mozart, vormals auch kleines Festspielhaus genannt. Passend zum aktuellen Thema der Salzburger Festspiele nimmt die Schau Sturz der Wirklichkeit Bezug auf die unterschiedlichsten Interpretationen von Traum und Wirklichkeit. Zu den gezeigten Repräsentanten gehören Giorgio de Chirico, Max Ernst, Damien Hirst oder auch Oskar Kokoschka, Egon Schiele und Arnulf Rainer.

Exklusive Ausstellung

Die kleine Hürde: Die Schau ist nur bedingt frei zugänglich, für Festspielbesucher jeweils eine Stunde vor Vorstellungsbeginn und in den Pausen – für den Rest der interessierten Öffentlichkeit nur nach Vereinbarung mit den Initiatoren.

Die Abspaltung der Elitären unter den vormaligen "Art Salzburg"-Teilnehmern im vergangenen Jahr hatte weiters zur Folge, dass sich eine verbliebene Gruppierung neu justierte. In die Organisatorenbresche sprang Alexandra Graski-Hoffmann, Veranstalterin der Art-&-Antique-Formate in Wien (Herbst) und Salzburg (Ostern). Laut den Teilnehmern fiel die Kosten-Nutzen-Rechnung 2015 positiv aus. Im Hof der ehemaligen erzbischöflichen Residenz werden kommende Woche nun zwölf Händler in einem klimatisierten Zelt ihr temporäres Quartier beziehen (13.-21. 8.).

Dazu gehören mit Giese & Schweiger (Wien) Experten für österreichische Kunst des 19. Und 20. Jahrhunderts, der auf Jugendstil und Kunsthandwerk der Moderne spezialisierte Kunsthandel Kolhammer (Wien) oder auch die für ihre Crossover-Präsentationen von Barock bis Gegenwart bekannten Teilnehmer Lilly's Art (Wien) und Kunsthaus Wiesinger (Wels). (Olga Kronsteiner, Album, 5.8.2016)

  • Die Teilnehmer der "Art Salzburg" bespielen heuer auch das Foyer im Haus für Mozart mit einer Ausstellung. Zu sehen und zu kaufen gibt es etwa Giorgio de Chiricos "Ettore e Andromaca" (675.000 Euro, Thomas Salis).
    foto: galerie salis / michael maritsch

    Die Teilnehmer der "Art Salzburg" bespielen heuer auch das Foyer im Haus für Mozart mit einer Ausstellung. Zu sehen und zu kaufen gibt es etwa Giorgio de Chiricos "Ettore e Andromaca" (675.000 Euro, Thomas Salis).



  • Im Angebot der "Art & Antique" begeistert Pablo Picassos "Tête de faune" bei Galerie Française (München).
    foto: christian pfefferle

    Im Angebot der "Art & Antique" begeistert Pablo Picassos "Tête de faune" bei Galerie Française (München).

  • Tony Craggs Edelstahlskulptur "Distant Cousin" (2008) wird im Skulpturengarten im Hof Dietrichsruh präsentiert.
    foto: galerie thaddaeus ropac

    Tony Craggs Edelstahlskulptur "Distant Cousin" (2008) wird im Skulpturengarten im Hof Dietrichsruh präsentiert.


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