Das Penisrohr als Jobkiller

Kolumne5. August 2016, 13:09
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Verhaltenstipps für Arbeitsunlustige

Die Welt ist schlecht und ungerecht, und besonders ungerecht ist sie momentan zu jenem liebenswürdigen Menschenschlag, der auch ohne Arbeit sein bescheidenes Plätzchen in der sozialen Hängematte genießen möchte. Immer häufiger kürzt das AMS den despektierlich so genannten Arbeitsunwilligen die Gelder, wenn sie sich nicht zu Vorstellungsgesprächen einfinden. So werden die Reservate für die letzten Lebenskünstler des Landes rapide enger gezogen. Als damals die Pleitebanken um öffentliche Milliardenzuschüsse bettelten, da war man vom Staat aus erheblich freigiebiger!

Die Lehre für versierte Freunde des Nichtstuns kann nur sein, künftig jedes Vorstellungsgespräch pflichtbewusst zu absolvieren, jedoch in einer Weise, die die Chancen auf eine öde Arbeitsstelle effektiv minimiert.

Günstig, weil wenig Vertrauen erweckend sind etwa Accessoires wie aus sperrangelweit geöffneten Ausschnitten herausblinkende Nippelpiercings oder provokante Brusttätowierungen ("Glotz anderswo hin, Geilspecht!"). Wenn man Psychologen von der Uni Stanford glauben will, dann wirken aber vor allem aufdringlich zur Schau gestellte Penisrohre abschreckend. Einer Studie von 2015 ("The Impact of Wearing Penis Sheaths during Job Interviews") zufolge haben 98 Prozent aller Personalreferenten ein negatives Bild von PenisrohrträgerInnen. Lediglich zwei Prozent interpretieren das Tragen von Penisrohren als Indiz für eine harte Arbeitsmoral und hervorstechenden Leistungswillen.

Bewerbungscoaches kennen noch etliche andere Vorstellungstricks, die dem Penisrohr an Effizienz nicht nachstehen:

  • Unbescheidene, in forschem Tonfall vorgetragene Gehaltsforderungen ("Eins sage ich dir gleich zu Beginn, Schweinebacke: Wenn du mir nicht pro Monat 50.000 Euro herüberwachsen lässt, mache ich für deinen Saftladen keinen Finger krumm.")
  • Extravagante Wünsche, die Arbeitskleidung betreffend ("Ich wirke kraft meiner Männlichkeit sexuell so aufreizend auf Kolleginnen, dass ich nur in einer Burka ungestört arbeiten kann.")
  • Dubiose Referenzen ("Habe im Jahr 2015 einen Schnupperlehrgang bei der ISIS-Zweigstelle in Aleppo absolviert und mit sehr gutem Erfolg bestanden.")

Bei Anwendung dieser Vorstellungskniffe sollte es eigentlich ein Leichtes sein, sich die Mühsal eines ungeliebten Jobs vom Leib zu halten. (Christoph Winder, Album, 5.8.2016)

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