Album der Woche: Hedvig Mollestad Trio "Black Stabat Mater"

5. August 2016, 10:53
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Mit ihrem Trio deutet die norwegische Gitarristin Jazz als Rock des Gemetzels

Die norwegische Gitarristin Hedvig Mollestad Thomassen hat amtlich beglaubigt an der Musikakademie Jazz studiert und war sogar einmal "Nachwuchskünstlerin des Jahres" in diesem in ihrem Heimatland prächtig subventionierten Genre. Seit 2009 hat sie aber im Trio mit Bassistin Ellen Brekken und Drummer Loe Bjornstad vier Alben veröffentlicht, die mitunter sehr stark in eine andere Richtung weisen. Hier wird nur selten herumgekleckert, sondern meist im roten Mischpultbereich ordentlich auf den Putz gehauen.

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Die zierliche Hedvig Mollestad spielt auf einer für sie riesigen Gibson-Halbakustik-Gitarre und diversen Effektgeräten hochenergetische Freestyle-Rockmusik. Diese hat mehr mit breitbeinig gedroschenen Powerakkorden aus der Hochzeit des Rock zu tun als mit Akkordzerlegungen, Ziselierungen und Fingerspagat auf dem Griffbrett der Gitarre.

Hedvig Mollestad mag zwar im Sixties-Cocktailkleid auf der Bühne wirken, als könnte sie niemandem etwas zuleide tun – dagegen sprechen aber schräg gesetzte Tonleiternudeleien, die man sich als gelernter Jazzer offensichtlich nicht verkneifen kann.

Im Wesentlichen kracht und rockt es auf dem Album Black Stabat Mater irgendwo zwischen Bill Frisell, Fred Frith, Neil Young, Tony Iommi von Black Sabbath, Ted Nugent, Stooges, Caspar Brötzmann Massaker, Blind Idiot God und Melvins. Letztgenannte wurden von ihr auch schon gecovert. (schach, Rondo, 5.8.2016)

Hedvig Mollestad Trio – Black Stabat Mater (Rune Grammofon)

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