Ninorta I.: Vom Flüchtling zur Weinkönigin

5. August 2016, 08:23
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Die geflüchtete Syrerin Ninorta Bahno ist zur Repräsentantin für die Weine der Region Trier gekrönt worden

Wahl der Weinkönigin – in deutschen Weinbaugebieten zählt dieses Ereignis alljährlich zu den Topereignissen im Jahreskreislauf. Dennoch schaffen es die meisten der Botschafterinnen – all die Julias, Barbaras und Stefanies – mit ihren hübschen Krönchen höchstens in die lokale Presse.

Bundesweite Bekanntheit hat hingegen jetzt schon die soeben in Trier (Rheinland-Pfalz) gekürte Weinkönigin Ninorta I. Sie ist deutschlandweit die erste Gekrönte, die als Flüchtling ins Land kam, und zwar aus Syrien. Die Winzer in Trier sind mit der neuen Hoheit hochzufrieden. "Sie ist eine gutaussehende Frau, die etwas für unsere Kultur, für ihr Land und für die Integration machen kann", erklärt Peter Terges, Vorsitzender der Vereinigung der Trier-Olewiger Winzer.

Ninorta Bahno, die sich nun ein Jahr lang Ninorta I. nennen darf und als Repräsentantin für die Weine der Region werben wird, sieht es ähnlich: "Ich will zeigen, dass Deutschland ein Willkommensland ist, die Deutschen sehr gastfreundlich sind und sich für eine schnelle und erfolgreiche Integration einsetzen", sagt die 26-Jährige in perfektem Deutsch.

Lieblicher Riesling

Geboren wurde sie im syrischen Qamischli. Sie ist aramäische Christin und hat in ihrer Heimat Jus studiert. Vor dreieinhalb Jahren floh Ninorta mit ihrer Familie nach Deutschland. "Wir mussten alles aufgeben und in einem neuen Land ganz bei null anfangen", sagt sie und spricht damit für unzählige Flüchtlinge, denen es genauso erging.

Auch in Deutschland möchte sie gerne Jus studieren, aber: "Wegen der juristischen Begriffe ist es noch zu früh und zu schwer für mich." Zunächst wird sie im Herbst eine Ausbildung als Fachangestellte für Arbeitsmarktdienstleistungen bei der Agentur für Arbeit in Trier (113.000 Einwohner) beginnen.

Zurzeit liest sie jede Menge Bücher über Wein und Weinanbau. Ninorta selbst trinkt am liebsten lieblichen Riesling und verbindet mit Wein "frohe und glückliche Stunden, die ich in meiner Heimat im Kreise meiner lieben Familie verbracht habe". Bei Familienfeiern wurden stets "besondere Tropfen des edlen Getränks ausgeschenkt".

Die Winzer von Trier sind überzeugt, dass die junge Frau noch große Karriere machen kann. Nach einem Jahr hat Ninorta I. die Möglichkeit, sich um das Amt der Mosel-Weinkönigin zu bewerben. Und diese geht dann ins Rennen um die Titel der Deutschen Weinkönigin. (Birgit Baumann, 5.8.2016)

  • In Deutschland wirbt erstmals eine junge Syrerin für den Rebensaft.
    foto: apa/dpa/harald tittel

    In Deutschland wirbt erstmals eine junge Syrerin für den Rebensaft.

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