"World Vision" über Vorwürfe gegen Gaza-Mitarbeiter "schockiert"

5. August 2016, 10:28
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Organisation geht aber von Haltlosigkeit der Anschuldigungen aus – Australien stoppt vorerst Finanzierung

Gaza/Jerusalem/Wien/Canberra – Die internationale Hilfsorganisation "World Vision" hat sich "schockiert" über Anschuldigungen gegen einen ihrer Mitarbeiter gezeigt, der westliche Hilfsgelder in Millionenhöhe an die im Gazastreifen herrschende Hamas weitergeleitet haben soll. Die Organisation geht aber davon aus, dass die Vorwürfe haltlos sind.

In einer der APA am Freitag übermittelten schriftlichen Stellungnahme hieß es: "Nach unserem derzeitigen Informationsstand gibt es keinen Anlass, anzunehmen, dass die Anschuldigungen begründet sind. Wir werden nun allen Hinweisen sorgfältig nachgehen und die nötigen Schritte in die Wege leiten."

Reihe von Kontrollmechanismen

Die Projekte von World Vision in Gaza würden regelmäßig sowohl von internen als auch von unabhängigen externen Stellen überprüft, betonte die Organisation. "Es besteht eine ganze Reihe an internen Kontrollmechanismen, um sicherzustellen, dass alle Mittel zweckgemäß bei den Kindern und Familien ankommen. Des Weiteren wird ständig kontrolliert, dass gesetzliche Anforderungen erfüllt und wir den Intentionen der Spendern gerecht werden."

World Vision arbeite in der Region (in Israel und den palästinensische Gebieten) seit über 40 Jahren und erreiche 500.000 Kinder in den Bereichen Bildung, Gesundheit und Kinderschutz.

In einer Mitteilung des israelischen Inlandsgeheimdienstes Shin Bet hieß es, der festgenommene Mohammed El-Halabi sei heimlich Mitglied des militärischen Hamas-Arms und habe westliche Hilfsgelder gezielt an die Terrororganisation übermittelt.

Großteil des Budgets angeblich an Hamas

Etwa 60 Prozent des Jahresbudgets für World Vision Gaza – jährlich 6,4 Millionen Euro – sei an die Hamas gegangen. Diese habe die Finanzmittel, die unter anderem aus Europa und den USA stammten, in militärische Projekte wie den Bau unterirdischer Tunnel sowie Waffenkäufe investiert.

El-Halabi habe ein komplexes System zur Weiterleitung der Gelder an Hamas entwickelt – etwa unter dem Deckmantel humanitärer und landwirtschaftlicher Projekte. Der Fall beweise "den zynischen Missbrauch, den Hamas mit internationalen Hilfsmitteln treibt".

Am 15. Juni wurde der World Vision-Mitarbeiter Mohammad El Halabi auf dem Weg von der Arbeit nach Hause verhaftet. Gestern wurde er angeklagt, die Hamas unterstützt zu haben. Wir sind schockiert, von diesen Anschuldigungen zu hören.

Australien stoppt derweil die Zahlung von Geldern für die Hilfsorganisation. "Wir unterbrechen die Finanzierung für Programme in den Palästinensergebieten, bis die Untersuchungen abgeschlossen sind", teilte das Außenministerium mit. (APA, 5.8.2016)

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