Russland mit 271 Sportlern, McLaren kritisiert IOC

4. August 2016, 22:40
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Olympier hätten nie mit Rechtsprofessor gesprochen

Rio de Janeiro – Russland geht bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro mit 271 Athletinnen und Athleten an den Start. Diese Zahl bestätigte Alexander Schukow, der Präsident des russischen olympischen Komitees, auf einer Pressekonferenz in Rio de Janeiro am Donnerstag. Das letzte Wort in dem Zulassungsprozess hatte eine IOC-Kommission mit den Mitgliedern Claudia Bokel (Deutschland), Ugur Erdener (Türkei) und Juan Antonio Samaranch (Spanien).

Das IOC hatte im Anschluss der Veröffentlichung des McLaren-Reports, der Russland ein staatlich gelenktes Dopingsystem nachwies, auf einen Ausschluss aller Russen von den Spielen verzichtet. Stattdessen beauftragte es die Weltverbände mit einer Einzelfallprüfung.

Kein Russe, der im McLaren-Report als Dopingsünder erwähnt oder jemals als Dopingsünder überführt worden war, sollte eine Starterlaubnis erhalten. Zudem sollten Athleten nachweisen, dass sie zuverlässig außerhalb des heimischen Anti-Doping-System getestet worden waren. 387 Namen standen ursprünglich auf der russischen Athletenliste für Rio, darunter die im Block gesperrten 67 Leichtathleten. Dem McLaren-Report fielen demnach nur 49 Athleten zum Opfer, Boxer, Schützen, Handballer, Volleyballer und die Judoka wurden durchgewunken

Am Dienstag hatte das Internationale Olympische Komitee (IOC) neue Verfahrensleitlinien an die Weltverbände verschickt. Darin empfahl es, die Sportler nur zu sperren, wenn ihnen der McLaren-Bericht expliziten Doping-Missbrauch nachweist. Ursprünglich lautete die Vorgabe, alle Athleten zu sperren, die im McLaren-Report belastend erwähnt werden.

Die betroffenen Weltverbände hatten über den Zeit- und Verantwortungsdruck gestöhnt, den das IOC ihnen mit der Überprüfung der russischen Athleten aufgebürdet hatte. Offenbar haben das IOC rechtliche Bedenken zu dem erneuten Kurswechsel veranlasst.

McLaren: IOC versteht Bericht nicht

Richard McLaren verteidigte indes seinen aufsehenerregenden Bericht über das systematische Doping in Russland gegen aufkommende Kritik. "Die Leute haben nicht verstanden, was drin steht, speziell das IOC und einige Weltverbände", sagte der kanadische Rechtsprofessor dem englischen "Guardian".

McLaren stellte klar, dass es nicht sein Ziel gewesen sei festzustellen, mit welchen Mitteln sich einzelne Athleten gedopt hatten: "Dafür hatte ich überhaupt keine Zeit. In dem Bericht ging es um staatlich unterstütztes Doping, die Manipulation von Resultaten, den Austausch von Proben und Pläne zur Vertuschung vor London 2012."

Er habe keine Anschuldigungen veröffentlicht, sagte McLaren, er habe Beweise: "Die habe ich gesichert, ich habe sie niemandem übergeben. Ich muss eine laufende Untersuchung abschließen." Seine ergänzenden Befunde wolle er bis Ende September offenlegen. Diese seien auch juristisch verwertbar.

McLaren bezeichnete die Diskussion um die Ziele und die Zukunft des Anti-Doping-Kampfes als "politisch und hysterisch". Er kritisierte, das IOC dafür, nie mit ihm über den Bericht gesprochen zu haben.

Die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA hatte den Bericht in Auftrag gegeben und daraufhin dem IOC empfohlen, Russland von den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro auszuschließen. (sid, red, 4.8. 2016)

  • Zufrieden: Alexander Schukow, der Präsident des russischen olympischen Komitees.
    foto: apa/afp/kudryavtsev

    Zufrieden: Alexander Schukow, der Präsident des russischen olympischen Komitees.

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