Geldpolitik nach dem Brexit: Globuli für die Wirtschaft

Kommentar4. August 2016, 17:51
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Die Notenbank muss Placebopolitik betreiben

Nichts zu tun war für die Notenbanker keine Option. Sie verabreichen dem Patienten, der britischen Wirtschaft, eine altbekannte Medizin: Niedrigere Zinsen und der Kauf von Wertpapieren sollen vermeiden, dass die Konjunktur wegen der hohen Unsicherheit einbricht. Mit etwas Glück kommt sie auf den Wirkungsgrad von Globuli. Damit sie mehr als einen Placeboeffekt erreichen könnte, fehlen der Bank of England zwei wichtige Bedingungen.

Erstens funktioniert Geldpolitik dann am besten, wenn sie eine nahende Katastrophe im Finanzsystem verhindern muss. In der Zeit nach der Pleite des Investmenthauses Lehman Brothers etwa haben die Notenbanken dazu beigetragen, einen Zusammenbruch des Wirtschaftssystems zu vermeiden. Zwar bedeutet der Brexit für britische Banken erst einmal nichts Gutes, von einer Katastrophe ist man auf der Insel aber weit entfernt.

Zweitens braucht Geldpolitik Handlungsspielräume. Die Zinsen wurden nur von 0,5 auf 0,25 Prozent gesenkt. Auch der Kauf von Wertpapieren kann nur geringfügig dazu beitragen, das ohnehin niedrige Zinsniveau weiter zu senken.

Die Notenbank muss also Placebopolitik betreiben. Die Arbeitslosigkeit dürfte bald steigen, das Geschäft für Firmen schlechter laufen. Obwohl sie, genau wie die EZB oder die US-Fed, nicht mehr viel tun kann, zeigt sie zumindest symbolisch Stärke. Wir lassen euch nicht allein. Hoffentlich findet niemand heraus, dass Globuli nicht wirken. (Andreas Sator, 4.8.2016)

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