Stupa am Wagram: Baugegner fordern naturschutzrechtliches Verfahren

5. August 2016, 12:57
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Ermittlungen gegen Grafenwörther Bürgermeister Alfred Riedl in Zusammenhang mit Verkauf des Baugrunds

Wien – Die Bürgerinitiative "Rettet den Wagram", die sich gegen den Bau eines buddhistischen Stupa am Wagram in Grafenwörth einsetzt, bekommt nun auch Unterstützung von der Landschaftsschutzorganisation Alliance for nature.

Die Volksanwaltschaft haben die niederösterreichischen Stupa-Gegner bereits auf ihrer Seite. Diese hatte in einer aktuellen Stellungnahme empfohlen, die bereits erteilte Baubewilligung aufzuheben, weil der geplante Sakralbau mit 765 Quadratmeter Grundfläche und rund 33 Metern Höhe keine "Kapelle" sei. DER STANDARD berichtete.

Gesetzesnovelle

Laut niederösterreichischem Raumordnungsgesetz darf der Bau von Kapellen im Grünland bewilligt werden. Die Gesetzespassage wurde inzwischen novelliert und eine Maximalgröße für Kapellen von drei mal drei Metern Breite und sechs Metern Höhe festgelegt. Auf den Stupa wirkt sich das aber nicht aus, weil der Bau bereits bewilligt war.

Alliance for nature sieht das Projekt laut einem am Donnerstag präsentierten Gutachten in Widerspruch zu gesetzlichen Bestimmungen: So müsse eigentlich ein naturschutzrechtliches Verfahren durchgeführt werden, weil das Landschaftsbild durch die exponierte Lage des Standortes – die Wagramkante – "erheblich beeinträchtigt" würde.

Auch bestehe die Gefahr, dass geschützte Tierarten gestört werden oder ihr Lebensraum vernichtet wird. Die Empfehlung lautet, das Bauvorhaben abzublasen und das umliegende "Europaschutzgebiet Kamp- und Kremstal" auf das Grundstück auszuweiten. Der Verkauf des Grundstücks durch die Gemeinde solle rückabgewickelt werden. Das Grundstück wurde an Sonnentor-Gründer Johannes Gutmann verkauft, der es dem Stupa-Institut – Initiator des Bauvorhabens – zur Verfügung stellte.

Ermittlungen gegen Bürgermeister

Im Zusammenhang mit dem Verkauf ermittelt die Staatsanwaltschaft St. Pölten gegen den Grafenwörther Bürgermeister Alfred Riedl (ÖVP) "hinsichtlich eines Sachverhalts". Die Anzeige (die von der Bürgerinitiative eingebracht wurde, Anm.) gehe "in Richtung Untreue", sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft St. Pölten zum STANDARD.

Gebaut wird am Wagram derzeit nicht. Die Brutzeit des streng geschützten Wiedehopfs wird bis Ende August abgewartet. Wenn bis dahin kein Baustopp erreicht sei, werde man sich "an Bagger ketten", kündigte die Bürgerinitiative an. (Christa Minkin, 5.8.2016)

Hinweis

Dieser Artikel wurde um 12:57 Uhr aktualisiert. Folgender Absatz wurde, nach Rückmeldung durch die Staatsanwaltschaft St. Pölten, durch eine aktuelle Information ersetzt: Im Zusammenhang mit dem Verkauf hat die Bürgerinitiative nach eigener Aussage die Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) eingeschaltet. Die WKStA bestätigte das dem STANDARD nicht: Es liege in dieser Causa weder eine Anzeige vor noch werde ein Ermittlungsverfahren geführt.

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  • Der geplante Stupa soll inklusive Harmika rund 33 Meter hoch werden.
    foto: heribert corn, www.corn.at

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