Das Ende von Michael Phelps' langer Reise

4. August 2016, 17:29
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Michael Phelps hat seine Lebenskrisen gemeistert und ist noch einmal ins Schwimmbecken zurückgekehrt. "Ich habe mich wieder in diesen Sport verliebt ", sagt der 18-fache Olympiasieger, der in Rio Abschied nimmt.

Rio – "Das breiteste Lächeln überhaupt" habe es Michael Phelps ins Gesicht gezaubert, als er davon erfuhr, die US-Fahne bei der Eröffnungsfeier tragen zu dürfen. "Ein Traum wird wahr. Das ist eine riesengroße Ehre und macht mich extrem stolz", sagte der Rekordolympiasieger.

Die Ernennung zum Fahnenträger bei seinen fünften und diesmal wirklich letzten Olympischen Spielen ist für Phelps auch ein Zeichen dafür, dass er in den vergangenen beiden Jahren, der "besten Zeit meines Lebens", alles richtig gemacht hat. Davon zeugt auch sein drei Monate alter Sohn Boomer, der im Strampler mit der Aufschrift "Team Daddy" in den Armen seiner Mutter Nicole Johnson bei Phelps' Rennen zuschaut.

Die Liebe ist zurück

In Rio noch einmal ins Olympiabecken zurückzukehren war dem erfolgreichsten Schwimmer der Geschichte aber nicht nur wegen Boomer ein besonderes Bedürfnis. "Ich habe mich wieder in diesen Sport verliebt", sagt er.

foto: reuters/stefan wermuth
Dieser Mann ist wieder verliebt.

Der Abschied vor vier Jahren in London habe sich trotz vier Gold- und zwei Silbermedaillen falsch angefühlt. "Ich hatte kein geregeltes Training. Ich wusste nicht, was ich wollte, aber ich wollte nichts mit dem Sport zu tun haben", erzählt er. "Ich habe versucht, es zu verschleiern. Ich bin rein und raus aus dem Becken, so schnell wie möglich."

Das Kind ist zurück

So, dachte Phelps ein Jahr nach London, sollte seine Karriere nicht enden. "Ich wollte nicht mit der Frage leben: Was wäre, wenn?" Heute sagt er: "Ich fühle mich wieder wie ein Kind."

Mit 31 hat er die Leidenschaft fürs Schwimmen wiederentdeckt, die ihn schon mit 15 zu den Spielen und wenige Monate später zu seinem ersten Weltrekord geführt, die ihn 2008 in Peking mit achtmal Gold unsterblich gemacht hatte. Phelps: "Diese Reise war unbeschreiblich."

Die Gesundheit ist zurück

Die letzte Etappe hätte es jedoch beinahe nicht gegeben. Vor knapp zwei Jahren saß der 18-fache Olympiasieger in einem Therapiezentrum in Arizona und dachte an den Tod. "Ich wollte nicht mehr auf dieser Welt sein." Nachdem er zum zweiten Mal wegen Trunkenheit am Steuer festgenommen worden war, wollte er sein Alkoholproblem nicht mehr ignorieren. "Ich habe mir gesagt, dass ich nicht mehr trinke bis nach Rio, wenn ich überhaupt noch einmal trinke." Er schaffte es aus dem Tief.

Heute sagt er: "Ich gehe früher ins Bett, schlafe mehr und wache mit vollkommen klarem Kopf auf." Mit klarem Kopf will er in Rio auch schwimmen. Freilich, Phelps ist nicht mehr so unantastbar, wie er es schon war. Aber die eine oder andere Medaille könnte er holen. Der größte Schwimmer ist er so oder so schon. (sid, red, 4.8.2016)

  • Zum fünften Mal schwimmt Michael Phelps bei Olympischen Spielen. "Ich fühle mich wieder wie ein Kind", sagt der US-Amerikaner, der sein Alkoholproblem überwunden und die Liebe am Sport wiedergefunden hat.
    foto: apa/afp/martin bureau

    Zum fünften Mal schwimmt Michael Phelps bei Olympischen Spielen. "Ich fühle mich wieder wie ein Kind", sagt der US-Amerikaner, der sein Alkoholproblem überwunden und die Liebe am Sport wiedergefunden hat.

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