Viele Hürden bis zum weit entfernten Ziel

Kommentar der anderen4. August 2016, 17:06
4 Postings

Nicht nur der Skandal um Doping im Vorfeld der Olympischen Spiele zeigt, dass der Weltsport Reformen bedarf. Ein Comeback kann nicht von heute auf morgen gelingen, sondern braucht jahrelange Aufbauarbeit

Die Erwartungen sind exorbitant hoch: Olympische Spiele sollen in jeglicher Hinsicht makellos sein. Die Ansprüche zu deren "Nachhaltigkeit" reichen von der perfekten Nachnutzung der Sportstätten bis zur Erhöhung der Sportbeteiligung der Bevölkerung. Da ist Scheitern vorprogrammiert, insbesondere wenn Olympische Spiele – eine Premiere für Südamerika – an Schwellenländer wie Brasilien vergeben werden.

Rhetorik und Öffentlichkeitsarbeit des sich gerne omnipotent gebenden IOC und seiner Partner müssen bescheidener werden, damit Erfolge – wie die erfreuliche Entwicklung des olympischen Spitzensports der Frauen und auch der Wettbewerbsfähigkeit von Athleten aus ärmeren Ländern – überhaupt gewürdigt werden.

Das IOC verhält sich derzeit wie ein Franchisegeber. Die Gastgeber sind oftmals auf sich allein gestellt, wobei ihre umfangreichen Pflichten und entsprechenden Garantien bereits im sogenannten "Host City Contract" festgeschrieben sind. Um dem Gigantismus von Olympischen Spielen (auch von Olympischen Winterspielen) tatsächlich entgegenzuwirken und Geschäftemacherei zu unterbinden, soll das IOC nicht nur Obergrenzen für akkreditierte Teilnehmer und Medaillenbewerbe einziehen, sondern zumindest auch für das Budget der Organisationskomitees.

Stärkeres IOC

Vom Staat getragene Kosten für Sicherheit und öffentliche Infrastruktur sind in diesem ohnehin nicht enthalten. Um zu verhindern, dass Qualitätsansprüche mit der Zeit eskalieren oder das Rad alle vier Jahre neu erfunden wird, soll sich das IOC außerdem viel stärker auch operativ einbringen.

Ein Bereich, in dem dies bereits seit geraumer Zeit praktiziert wird, ist die TV-Produktion und -Distribution. Das IOC überlegt sogar, einen "Olympic Channel" zu gründen, der auch abseits der Olympischen Spiele ausstrahlt. Angesichts des geänderten Mediennutzungsverhaltens sind das IOC und seine Mitglieder jedoch vielmehr gefordert, entsprechende digitale Inhalte neu zu entwickeln: Geschichten und Spiele, die Kindern olympische Werte wie Fairplay näherbringen, aber auch ganz praktische Unterstützung dabei, Sportarten zu erlernen bzw. zu vermitteln.

Absolute Kernkompetenz des IOC und der Internationalen Sportverbände sollte sein, für faire Trainings- und Wettkampfbedingungen zu sorgen. Zustände wie das jüngst aufgedeckte von der russischen Regierung flächendeckend betriebene Doping sind fatal, der Staat hat damit für seinen Hoheitsbereich jegliche Glaubwürdigkeit im Kontrollsystem verloren.

Internationale Zusammenarbeit wird jedoch gerade auch auf Regierungsebene erforderlich sein, um bei Forschung (Stichwort Gendoping) und Aufklärungsarbeit (Stichwort Whistleblower-Programme) zu reüssieren. Die 1999 gegründete World Anti-Doping Agency wird ihrer Aufgabe, saubere Athleten zu schützen, ganz offensichtlich nicht gerecht. Ob dies geändert werden kann, ist die Existenzfrage der olympischen Bewegung schlechthin.

Im internationalen Sport grassiert leider nicht nur Doping als Ausprägungsform von Korruption, auch Betrug im Zusammenhang mit Vermarktungsrechten oder Sportwetten ist weitverbreitet. Rufe nach einer professionellen Ethik der im olympischen Sport tätigen Funktionäre, sind bisher ergebnislos verhallt. Auch die Appelle, sich im organisierten Sport doch eine zeitgemäße Governance zu geben, beispielsweise was begrenzte Funktionsperioden oder die Teilhabe von Athleten anbelangt, haben zu mehr symbolischen als machtpolitisch wirksamen Veränderungen geführt.

So ruhen die Hoffnungen auf Justizbehörden, die mit ihren Ermittlungsbefugnissen kriminelle Aktivitäten verfolgen. Das FBI hat es im Fall der Korruption im Weltfußballverband Fifa vorgezeigt. (Markus Redl, 4.8.2016)

Markus Redl (42) ist Geschäftsführer der Bergbahnen-Beteiligungsgesellschaft des Landes Niederösterreich. Diplomstudium der Sportwissenschaft an der Universität Wien, Master in Public Administration (Harvard) als Fulbright-Stipendiat.

Share if you care.