Abwürgen, aber richtig!

Kolumne4. August 2016, 17:06
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Rechtzeitig abzuwürgen kann einem Land viel Ungemach ersparen

Endlich ist mit Hängen und Abwürgen doch noch ein wenig Leben in die ausgelutschte Schnulze von der verfolgten Unschuld gekommen. Als Abwürger in Strafsachen hat sich der Anwalt des einst jungen, schönen, erfolgreichen Karl-Heinz, des Lieblings der heimischen und eigenen Schwiegermutter, die berufliche Latte hoch gelegt, so hoch, dass er, kaum hatte er die Strangulierungsfantasie in einem ORF-Interview herausgewürgt, sie in einem Atemzug als vielleicht nicht ganz geschickt, aber dennoch im Prinzip richtig definierte. Andere fanden sie "unglücklich, aber nicht bedenklich". Dem kann man solange zustimmen, wie offen bleibt, welcher Methoden sich ein Abwürger bedienen müsste, um diesem atemberaubenden Rechtsmittel zum Durchbruch und seinem Klienten zu definitiver Entspannung zu verhelfen.

Ganz widerspruchsfrei ist der zweifellos gut gemeinte Vorschlag indes nicht, stünde ein Abwürgen des Prozesses im Falle des Gelingens doch dem leidenschaftlich vorgetragenen Anliegen entgegen, mit dem "Schwachsinn" der Anklage in einem prozessualen Aufwaschen auch gleich die Unschuld des Mandanten endgültig im Gemüt einer wankelmütigen Öffentlichkeit zu verankern. Ohne Prozess müsste Grassers Charakterbild in der österreichischen Zeitgeschichte und darüber hinaus schwankend bleiben, aber das mag ihm egal sein, angesichts der Gefahr, die Anklage könnte sich vielleicht doch als weniger schwachsinnig erweisen, als dass man sie nicht in weiser Voraussicht abwürgen sollte.

Für wie kühn oder unglücklich man den Vorschlag Manfred Ainedters immer halten mag, muss man ihm dankbar sein für den davon ausgehenden Anstoß zu Abwürgegedanken, die über den Prozess hinausgehen. Wenn es möglich ist, einen gewählten Bundespräsidenten – zumindest fürs Erste – abzuwürgen, beweist das: Das Thema liegt in der Luft, und es gibt genug Beispiele, die nahelegen, dass man mit dem Abwürgen gar nicht früh genug beginnen kann, wenn man weiß, wo.

Was wäre Österreich nicht erspart geblieben, hätte einst ein anderer Bundespräsident die schwarz-blaue Koalition abgewürgt! Zum Beispiel ein Finanzminister Karl-Heinz Grasser, ihm selber natürlich Jahre der Verfolgung und der schwachsinnige Prozess, irgendwann in ferner Zukunft. Vorbeugend abgewürgt, hätten freiheitliche Minister ihre Posten nicht so oft unter peinlichen Umständen bald wieder räumen müssen. Ein Witzekanzler Hubert Gorbach, der nun auch noch eine "wohlverdiente" Pension einfordert, rückwirkend bis 2013. Die Privatisierung der Buwog, das Projekt Terminal Tower – mit einmal Zudrücken abgewürgt, und Grassers bester Freund und Trauzeuge hätte nie nach dem Feigenblatt einer Leistung flehen müssen, um seine Supernacktheit zu verhüllen.

Rechtzeitig abzuwürgen kann einem Land viel Ungemach ersparen. Demnächst haben die Wählerinnen und Wähler wieder einmal die Chance dazu. Wer Deutschnationale nicht in der österreichischen Hofburg will, wer sein Land nicht wieder international isoliert und – wie gehabt – peinlicher Lächerlichkeit preisgegeben sehen will, müsste gelegentliches Abwürgen als patriotische Tugend begreifen. (Günter Traxler, 4.8.2016)

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