Terrordrohungen: Auch "verdeckte E-Mails" liefern Rückschlüsse

4. August 2016, 14:55
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Mehrere Möglichkeiten, anonym E-Mails zu schicken – Aber auch Chancen, Absender aufzuspüren

Wien – Die konkreten Terrordrohungen gegen Polizeieinrichtungen in Österreich sind laut Polizei von einer "verdeckten E-Mail-Adresse" abgeschickt worden. Doch selbst, wenn jemand anonym E-Mails verschickt, könne man oft Rückschlüsse auf Identitäten ziehen, berichtete Markus Kammerstetter vom Institut für Rechnergestützte Automation der Technischen Universität (TU) Wien.

Drei Wege

Laut Kammerstetter komme man "ganz einfach" zu einer sogenannten "verdeckten E-Mail-Adresse". Dem Experten zufolge gibt es drei Möglichkeiten. Bei der ersten Art wendet man sich an einen E-Mail-Provider, der temporäre Adressen vergibt. Man legt einfach einen Account an und schon kann man anonym Nachrichten versenden und empfangen. Dieses Angebot würde häufig von Personen genutzt, die sich eine zusätzliche E-Mail-Adresse für Spam-Mails zulegen wollen. Anbieter gibt es demnach mehrer.

Die zweite Möglichkeit bieten sogenannte "Mixes". Normalerweise könne man den Weg einer E-Mail ganz genau nachverfolgen – bis hin zur IP-Adresse des Absenders, sagte Kammerstetter. Im Normalfall wird die E-Mail über mehrere Server übertragen, die Liste der Server könne man über den "Header" im E-Mail nachverfolgen. Über Mixes sei es durch kryptografische Verfahren möglich, anonym Nachrichten zu verschicken. "Dabei weiß der eine Server nicht, wer der andere Server ist", so der IT-Experte aus dem Secure Systems Lab der TU.

Die dritte Option findet man im TOR-Anonymisierungsnetzwerk, auch "Darknet" genannt. TOR steht für "The Onion Router", die Software könne man sich Kammerstetter zufolge ohne Probleme und sogar kostenlos herunterladen und installieren. "Mit einem Mausklick ist man im TOR-Netzwerk unterwegs", sagte er. Benutzer könnten damit aber auch anonym im "normalen" Internet surfen, die IP-Adresse wird dann nicht mehr angezeigt.

User oft unvorsichtig

So einfach das Versenden von möglichen Drohungen als Anonymer jetzt klingt, ist es aber doch nicht. Auch in "verdeckten E-Mails" könnten Experten auf Clous nach Identitäten suchen. Außerdem seien User oft unvorsichtig und würden Informationen etwa in Online-Chats preisgeben. (APA. 4.8.2016)

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