"Realm of Shadows": Gespaltene Kritiken für neues "Batman"-Adventure

4. August 2016, 13:59
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Fokus auf Bruce Wayne wird begrüßt – Uneinigkeit über Charakterkonzeption und Qualität der Handlung

Nachdem er eine Weile in der Versenkung verschwunden war, brachte die "Dark Knight"-Filmreihe einen altbekannten Filmhelden wieder vor den Vorhang: "Batman". Der Verbrechensbekämpfer im schwarzen Cape konnte auch in jüngeren Videospielformaten, der "Arkham"-Serie, überzeugen. Lob gab es insbesondere für das intuitive, gut umgesetzte Kampfsystem.

Viel Zuspruch gab es auch, als die Spieleschmiede Telltale Games eine eigene, episodische Umsetzung ankündigte. Mit "The Walking Dead", "Game of Thrones" und anderen Titeln hat das Studio bereits bewiesen, Vorlagen aus Film, Fernsehen und Literatur gut umsetzen zu können. Vor kurzem ist nun die erste Episode mit dem Titel "Realm of Shadows" erschienen. Erste Rezensionen stellen dem Titel ein bisweilen sehr unterschiedliches Zeugnis auf.

Machtkampf und Verbrechen in Gotham City

Kurz zur Handlung: Die fiktive Metropole Gotham hat ein Problem. Die Stadt wird regiert von korrupten Beamten, die sich von Kriminellen schmieren lassen. Entsprechend lasch läuft die Bekämpfung des organisierten Verbrechens. Doch es stehen Lokalwahlen an.

Unterstützt vom weithin geschätzten Industrie-Milliardär Bruce Wayne verspricht der aufstrebende Politiker Harvey Dent, mit den Missständen aufzuräumen. Er tritt gegen den amtierenden Hamilton Hill an, der Unterweltkontakte pflegt und nicht unbedingt auf Fairplay aus ist. Derweil strebt der Gangsterboss Carmine Falcone nach Einfluss auf die künftige Stadtregierung und einem unbekanntenVerbrecher gelingt ein spektakulärer Coup nach dem anderen.

Das Schlimmste verhindert oft nur Bruce Wayne selber in Form seines Superhelden-Alias Batman. Doch das Verhältnis zwischen dem maskierten Helden und der Polizei ist kein gutes. Wayne trägt dabei selbst eine seelische Last mit sich herum, wuchs er doch nach dem brutalen Mord an seinen Eltern als Waise auf und sinnt nach Rache an den Schuldigen.

Bruce Wayne, der zerrissene Stratege

"Batman: Realm of Shadows" entlässt den Spieler in diesem Mix aus politischer Taktiererei und direkter Konfrontation mit dem Bösen. Der Fokus dabei liegt – zumindest in dieser ersten Folge – am Charakter von Bruce Wayne.

Er schließt oder verweht Bündnisse zur Unterstützung von Dents Kampagne, für die er seinen guten Namen zur Verfügung stellt. Gleichzeitig muss er zur Erreichung seiner politischen Ziele abwägen, wie weit er seine Reputation öffentlich kompromittieren kann.

Wie in Telltale-Games üblich, wird die Handlung hauptsächlich durch Entscheidungen in Dialogen durch die Auswahl einer von mehreren Optionen beeinflusst und vorangetrieben. Der Spieler entwirft dabei den Charakter von Wayne ein wenig mit. Oft steht es frei, sich etwa als trauriger Waise, reicher Playboy oder nachdenklicher Philantrop zu präsentieren. Während man bei Polygon diesen Zugang lobt, wird er bei Game Informer kritisch beäugt, weil man der Ansicht ist, dass so die Charakterzüge des Manns hinter dem Helden verwaschen würden.

telltale games

Batman, der raubeinige Detektiv

Anders tritt freilich Batman auf. Beim Auftritt des "Caped Crusader" geht es nicht mehr um diplomatische Aspekte. Er ist größtenteils für Actioneinlagen und Detektivarbeit zuständig. In Kämpfen setzt Telltale auf sein bekanntes System aus Quicktime-Events, bei denen Spieler eingeblendete Tasten möglichst schnell drücken müssen. Ergänzt wurde dies um eine Leiste für mächtige Spezialmanöver, die sich nach dem Auffüllen selbiger ausführen lassen.

Zudem lässt sich in typischer Manier des stets gut vorbereiteten Heroen im Vorfeld planen, wie man sich durch einen Raum voller Widersacher arbeiten möchte. Ein netter Aspekt, findet man bei Polygon. Der Schwierigikeitsgrad ist jedoch niedrig, zumal auch der eine oder andere falsche Tastendruck verziehen wird.

Es gibt auch einen Detektivmodus, in dem Batman nach Spuren und Hinweisen sucht. Während bei Polygon eine positive Innovation angedeutet wird, gibt es von Game Informer Schelte dafür, dass man im Grunde nur vorab markierte Punkte in der Umgebung abarbeiten würde.

Eine Handlung, drei Meinungen

Die Kritiker sehen die Dialoge als meistens gelungen an, haben aber unterschiedliche Einschätzungen bezüglich der Handlung. Das Attest reicht von "kommt nur langsam in Fahrt, wird dann aber spannend" über "baut sich gut auf, lässt dann aber nach" bis zum Fazit "eindrucksvoll" bei Gamespot. Geschmäcker sind offensichtlich verschieden.

Einigkeit herrscht aber immerhin bezüglich des Cliffhangers, der den Rezensenten unisono Vorfreude auf die nächste Folge bereitet. (gpi, 04.08.2016)

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