Hitler und das IOC: "Olympia 1936 – Der verratene Traum"

Ansichtssache5. August 2016, 10:00
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Die "Universum History"-Doku will mit dem Mythos der Unschuld des IOC aufräumen und erzählt vom Schicksal der jüdischen Schwimmerin Judith Deutsch

Wien – "Olympia 1936 – Der verratene Traum" lautet der Titel der international geförderten Koproduktion, die die Olympischen Spiele 1936 in Berlin aus einer kritischen Perspektive von heute betrachtet. Ausgestrahlt wird die Dokumentation im Rahmen von "Universum History" am Freitag, 5. August, um 22.40 Uhr in ORF 2.

foto: orf/pre tv/ullstein bild

Regisseur Christoph Weber recherchierte dafür in internationalen Archiven und widmet sich vor allem der Frage, warum ein Land unter einem Diktator wie Hitler als Austragungsort der Olympischen Spiele fungieren durfte.

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foto: orf/pre tv/ullstein bild - heinz fremke

Der Film will dabei mit der Legende aufräumen, dass das IOC (International Olympic Committee) von Hitler getäuscht wurde und nicht wusste, was die Nationalsozialisten vorhatten.

Neueste Forschungen würden zeigen, wie sehr das IOC mit dem Hitler-Regime paktierte, immerhin versprach er die "größten Spiele aller Zeiten".

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foto: orf/pre tv/pretv/paul sturm

Der zweite Strang der Dokumentation erzählt von der österreichisch-jüdischen Schwimmerin Judith Deutsch (gespielt von Antonia Moretti). Als Boykott gegen Hitlers Rassismus und Judenhass wollten Deutsch und drei weitere Schwimmerinnen des jüdischen Wiener Sportklubs Hakoah nicht nach Berlin reisen.

Als Reaktion wurden alle Rekorde der damals 17-jährigen annulliert, sie wurde vom Österreichischen Schwimmverband lebenslang gesperrt.

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foto: orf/transit film

Im Rahmen seines Schwerpunkts zu den Olympischen Spielen zeigt der ORF auch Leni Riefenstahls Film "Olympia", er ist am 6. August um 21.30 Uhr zu sehen.

Publikumsrätin Eva Blimlinger kritisierte vorab die Ausstrahlung: "Der ORF ist nicht dazu da, unkommentiert NS-Propagandafilme zu zeigen."

Die historische Einbettung wurde nach Kritik von Blimlinger ausgeweitet, außerdem wird der Film an zehn Stellen unterbrochen und von Experten analysiert.

Das Intro, in dem sich unter anderem der Filmemacher Robert Dornhelm kritisch mit der Produktion und ihrer Wirkung auseinandersetzt, soll auf knapp 30 Minuten erweitert werden. (Christopher Rindhauser, 5.8.2016)

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