Forscher klären, wie Bakterien Blutvergiftung auslösen

4. August 2016, 13:53
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Wissenschafter identifizierten Lipopeptide als Ursache für den schweren Krankheitsverlauf nach einer Infektion mit "Staphylococcus aureus"

Tübingen – 18.000 Menschen erkranken jährlich in Österreich an einer Sepsis, über 7.000 sterben daran. Besonders Blutvergiftungen, die durch das Bakterium "Staphylococcus aureus" ausgelöst werden, verlaufen häufig tödlich. Wie es zur Sepsis und damit zum lebensbedrohlichen Multiorganversagen kommt, war bislang noch unklar. Ein weiteres Problem: Die verfügbaren diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten sind derzeit noch begrenzt, wie Forscher des Instituts für Mikrobiologie und Infektionsmedizin der Universität Tübingen (IMIT) betonen.

Nun konnten die IMIT-Wissenschaftler gemeinsam mit Experten des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF) eine der Ursachen für den schweren Krankheitsverlauf klären. Viele andere Erreger, sogenannte Gram-negative Bakterien, bilden Endotoxin-Moleküle, die Blutvergiftungen auslösen können. Da Staphylokokken jedoch kein Endotoxin besitzen, war bislang unklar, wie es bei einer Infektion mit Staphylokokken zur einer Blutvergiftung kommt.

Gefährliche Moleküle

Die Forscher fanden heraus, dass sogenannte Lipopeptide eine entscheidende Rolle bei der Auslösung von Blutvergiftungen spielen. Die Wissenschaftler konnten zeigen, dass nur solche Staphylokokken schwere Blutvergiftungen auslösen, die zusätzliche Moleküle bilden, sogenannte PSM-Peptide, durch die Lipopeptide freigesetzt werden.

Häufig treten bei Patienten auch PSM-negative Staphylokokkenstämme auf. Diese setzen jedoch keine Lipopeptide mehr frei und lösen in experimentellen Infektionen kaum Blutvergiftungen aus. Damit kann die Gefährlichkeit der von Patienten isolierten Staphylokokken-Stämme künftig sehr viel besser eingeordnet werden, betonen die Forscher. Die Hoffnung liegt nun in der Entwicklung neuer Therapien, die eine Bildung von PSM und Lipopopetiden verhindern und so schwere Fälle von Blutvergiftungen vermeiden könnten. (red, 4.8.2016)

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