Männer kämpfen mit Kopftuch für die Rechte iranischer Frauen

4. August 2016, 11:43
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Protestaktion der iranischen Journalistin Masih Alinejad: Sie will, "dass die iranischen Männer die Erniedrigung spüren, die Millionen von Frauen jeden Tag ertragen"

Teheran / New York – Ein Mann mit Kopftuch ist ein ungewöhnlicher Anblick. Und trotzdem sind sie in den sozialen Medien derzeit überall zu finden: Fotos von Männern, die sich lächelnd mit Kopftuch präsentieren. Unter dem Hashtag #MenInHijab posten seit rund einer Woche männliche Nutzer aus aller Welt Fotos mit der für Männer untypischen Kopfbedeckung auf Facebook, Twitter und Instagram.

Das iranische Gesetz verpflichtet Frauen seit knapp 40 Jahren, ihr Haar in der Öffentlichkeit zu bedecken. Tun sie dies nicht, drohen ihnen Strafen. Die iranische Journalistin Masih Alinejad, die hinter der Kampagne steht, wollte das nicht hinnehmen.

"Die Erniedrigung spüren"

"Ich wollte, dass die iranischen Männer einmal die Erniedrigung und Entwürdigung spüren, die Millionen von Frauen jeden Tag ertragen müssen", sagte Alinejad, die in New York lebt, der Deutschen Presse-Agentur. Sie forderte iranische Männer auf, den Hijab, das traditionelle Kopftuch im Islam, überzuziehen und ein Selfie zu machen. Sie wollte damit zeigen, wie absurd und lächerlich der Kopftuchzwang für Frauen sei.

Und viele Männer im und außerhalb des Iran folgten ihrem Aufruf: Auf Facebook, Twitter und Instagram finden sich seitdem zahlreiche Fotos von iranischen Männern mit Hijab, die neben den Frauen posieren, deren Kopftuch sie tragen – und die zeigen auf den Schnappschüssen, oft lächelnd, ihr Haar.

Männer tragen Kopftuch, Frauen das Risiko

Auslöser für die Aktion war die Aussage des iranischen Außenministers Mohammed Jawad Zarif, dass Frauen, die den Iran besuchen, aus Respekt gerne ein Kopftuch trügen, wie Alinejad erzählte. Sie habe daraufhin ein bearbeitetes Foto, das Zarif mit Kopftuch zeigt, auf Facebook veröffentlicht – verbunden mit der Aufforderung an die iranischen Männer, sich selbst mit Hijab abzulichten. Sie veröffentlichte die ersten Fotos in den sozialen Medien.

Respekt verdienten in Alinejads Augen aber vor allem die Frauen, die sich neben den Männern ohne Kopfbedeckung zeigten: "Für die Männer ist das nur ein kurzer Moment der Lächerlichkeit, aber die Frauen brechen das Gesetz", sagte Alinejad. "Sie tragen das wahre Risiko, aber sind unerschrocken."

Masih Alinejad ist im Iran keine Unbekannte. Seit Jahren setzt sie sich für die Rechte von Frauen ein. Bereits 2015 startete sie mit "My Stealthy Freedom" eine Kampagne, in der sie Frauen im Iran aufforderte, heimlich Fotos von sich ohne Hijab zu machen. Die Fotos veröffentlichte sie ebenfalls auf unterschiedlichen Plattformen. (APA, red, 4.8.2016)

  • Ein Foto, das im Rahmen der Aktion "My Stealthy Freedom" im Jahr 2015 entstand.
    foto: my stealthy freedom/masih alinejab

    Ein Foto, das im Rahmen der Aktion "My Stealthy Freedom" im Jahr 2015 entstand.

  • Masih Alinejad (39) arbeitete als Journalistin im Iran, bis sie das Land 2009 Richtung London verließ – eine Woche vor den Wahlen. Sie kehrte nicht wieder in ihre Heimat zurück.
    foto: reuters

    Masih Alinejad (39) arbeitete als Journalistin im Iran, bis sie das Land 2009 Richtung London verließ – eine Woche vor den Wahlen. Sie kehrte nicht wieder in ihre Heimat zurück.

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