ORF plant Satire-Format mit der "Tagespresse"

4. August 2016, 12:25
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"Tagespresse"-Gründer Jergitsch arbeitet an einem Konzept für eine wöchentliche Sendung

Wien – Was Privatsender mit Erfolg machen, möchte auch der ORF in den nächsten Jahren forcieren: Comedy und Satire. Das kündigen sowohl der amtierende ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz als auch sein Herausforderer, ORF-Finanzdirektor Richard Grasl, in ihren Bewerbungskonzepten an. Im Interview mit der Gratiszeitung "Heute" wird Wrabetz konkreter: Das Satireportal "Tagespresse" soll mit einer Sendung in den ORF geholt werden.

Im Gespräch mit dem STANDARD bestätigt "Tagespresse"-Gründer Fritz Jergitsch die TV-Pläne: "Wir versuchen derzeit, das Format zu finden." Von einer Finalisierung könne aber noch keine Rede sein, die Sendung befinde sich im Projektstatus. "Wir sind in einer frühen Phase und überlegen uns gerade ein Konzept." Mit einem Start noch im Jahr 2016 rechnet er nicht.

Jergitsch: Humor der "Tagespresse" transportieren

Satirisch formuliert klingt das so: "Österreichs seriöseste Onlinezeitung mit drei Milliarden Fans und über 1,5 Trillionen Klicks pro Tag kooperiert mit dem kleinen Regionalsender ORF, um wöchentlich über das Weltgeschehen zu informieren." Was ihm aber ernsthaft wichtig ist? "Wir möchten unseren 'Tagespresse'-Humor 1:1 transportieren können." Bei der Sendung müsse es ersichtlich sein, dass die "Tagespresse" dahinterstecke und das Team nicht als freie Autoren Ideen zu einem beliebigen Comedy-Format beitrage, so Jergitsch, der als Mastermind die "Tagespresse" seit der Gründung vor drei Jahren zu erstaunlichem Erfolg geführt hat. Das Team besteht derzeit aus sechs Autoren. Profitabel ist das Portal schon länger.

Laut den Juni-Zahlen der Österreichischen Webanalyse (ÖWA) kommt die "Tagespresse" auf Visits, die sich monatlich zwischen einer Million (Februar) und 1,6 Millionen (Mai) bewegen. Der Großteil der Zugriffe kommt von über 300.000 Facebook-Fans, wie Jergitsch zuletzt im Gespräch mit dem STANDARD erklärte.

Zusammenarbeit mit Puls 4

Fernsehpläne wälzt Jergitsch schon länger. Mit Puls 4 gab es in den letzten Jahren etwa eine projektbezogene Zusammenarbeit, die aber nie in einem fixen Format gipfelte. Autoren der "Tagespresse" arbeiten so als freie Mitarbeiter für den Privatsender, der mit Infotainment-Sendungen wie "Bist du deppert!" oder "Sehr witzig?!" sehr stark auf die Comedy-Schiene setzt.

Parallel zur Verankerung im TV möchte Jergitsch mit dem "Tagespresse"-Humor noch weiter expandieren. Im September steht beispielsweise im Wiener Rabenhof eine eigene "Tagespresse Show" auf dem Programm. Moderiert wird sie vom Ö1-Journalisten Paul Kraker. Mit der "Bezirkszeitung" gibt es eine Kooperation im Printbereich.

Die Wurzeln im Internet sollen bei der Mehrkanalstrategie aber nicht vernachlässigt werden. So gründete Jergitsch kürzlich in Tirol und Salzburg regionale Ableger der "Tagespresse", die von jeweils einem Autor mit Inhalten gefüttert werden. Andere Bundesländer könnten folgen: "Zuerst wollen wir aber dort eine relevante Größe erreichen." (Oliver Mark, 4.8.2016)

  • Fritz Jergitsch, Gründer der "Tagespresse".
    foto: standard / corn

    Fritz Jergitsch, Gründer der "Tagespresse".

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