Online-Boom tröstet ProSiebenSat.1 über EM-Effekt hinweg

4. August 2016, 08:52
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Digitalsparte wächst besonders dank Zukäufe – TV-Kanäle behaupten sich gegen EM-Sendungen der Konkurrenz – Konzern steigerte Umsatz und Gewinne stärker als erwartet

München – ProSiebenSat.1 macht mit seinem Internet-Geschäft die Belastungen durch die Fußball-Europameisterschaft mehr als wett. Während die Fernsehsparte im Duell mit den Live-Übertragungen der öffentlich-rechtlichen Sender erwartungsgemäß kaum zusätzliche Punkte bei Zuschauern und Werbekunden machte, profitierte der Konzern im zweiten Quartal von seinen Großeinkäufen im Internet.

Besonders die im vergangenen Jahr erworbenen Portale Verivox für Preisvergleiche und Etraveli für Flugreisen trieben das Wachstum, wie ProSiebenSat.1 am Donnerstag mitteilte. Der Konzern steigerte Umsatz und Gewinne stärker als von Branchenexperten erwartet.

Sportliche Großereignisse als Bremse

Sportliche Großereignisse wie die Europameisterschaft, die im Juni einen großen Teil des zweiten Quartals belegte, erweisen sich für werbefinanzierte Sendergruppen wie ProSiebenSat.1 oder den Erzrivalen RTL regelmäßig als Bremse: Weil sich umfangreiche Live-Senderechte nicht allein mit Werbeerlösen bezahlen lassen, beherrschen während Fußballturnieren und Olympia-Wettkämpfen die gebührenfinanzierten öffentlich-rechtlichen Sender und Abo-Kanäle wie Sky das Feld. Dennoch lagen Erlöse und Gewinne der TV-Sparte von ProSiebenSat.1 von Mai bis Juni leicht über den Vorjahreswerten.

Der Konzernumsatz legte um 15 Prozent auf 886 Mio. Euro zu. Der Gewinn stieg operativ um 7 Prozent auf 254 Mio. Euro und netto sogar um 16 Prozent auf 136 Mio. Euro. Zum Nettoergebnis trug auch eine Neubewertung von Firmenbeteiligungen bei. Analysten hatten lediglich mit einem Umsatz von 880 Mio., einem Betriebsgewinn von 249 Mio. und einem Überschuss von 121 Mio. Euro gerechnet. Konkurrent RTL legt erst am 25. August Quartalszahlen vor.

Umsatzplus

ProSiebenSat.1-Chef Thomas Ebeling bleibt auch nach dem Votum der britischen Bürger für einen Abschied aus der Europäischen Union bei seinen Wachstumszielen. "Die Prognosen für den Arbeitsmarkt sind weiterhin positiv, das Konsumentenvertrauen ist nach wie vor stark", erklärte der Manager zur Begründung. Kurz nach der Brexit-Entscheidung im Juni hatte Ebeling zwar auf den geringen Erlösanteil des Konzerns in Großbritannien hingewiesen, aber angesichts der Abhängigkeit seines Unternehmens von der Werbewirtschaft vor makroökonomischen Unsicherheiten gewarnt. Ebeling erwartet im Gesamtjahr nach wie vor ein Umsatzplus von mehr als zehn Prozent und einen Gewinnanstieg. (APA, Reuters, 4.8.2016)

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