Ist Leben auf der Erde womöglich eine kosmische "Frühgeburt"?

3. August 2016, 17:37
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US-Forscher glauben anhand von Berechnungen, dass der große Lebens-Boom im All noch bevorsteht

Cambridge – Das einzige bekannte Beispiel für intelligentes Leben im Universum sind nach wie vor wir selbst. Die mittlerweile Jahrzehnte dauernde Fahndung nach Zivilisationen im All mithilfe immer leistungsfähigerer terrestrischer und im Weltraum stationierter Teleskope hat an dieser Erkenntnis zumindest bisher nichts geändert. Womöglich hat der mangelnde Erfolg bei unserer Suche jedoch nichts damit zu tun, wohin wir blicken, sondern ist einzig eine Frage des falschen Zeitpunktes. Das zumindest vermuten nun US-Forscher.

Während der Kosmos 13,8 Milliarden Jahre alt ist, existiert unser Sonnensystem erst seit 4,5 Milliarden Jahren. Viele Wissenschafter halten es daher für plausibel, dass potenzielles Leben auf fremden Planeten inzwischen durchaus mehrere Milliarden Jahre alt sein könnte. Eine theoretische Studie von Wissenschaftern um Avi Loeb vom Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics kommt dagegen zu einem anderen Schluss: Der Grund, warum es so aussieht, als wären wir allein im Universum, ist nach ihrer These, dass das Leben auf der Erde aus kosmischer Perspektive ungewöhnlich früh erschienen ist.

"Wenn man die Frage stellt 'Wann ist es am wahrscheinlichsten, dass Leben sich entwickelt?', dann wäre die nahe liegende Antwort vermutlich 'Jetzt'", meint Loeb. "Wir aber glauben, dass die Chancen für die Entstehung von Leben im All in der fernen Zukunft wesentlich besser sind als heute."

Die Grundlagen von Leben, so wie wir es kennen, wurden theoretisch ab einem Zeitpunkt etwa 30 Millionen Jahre nach dem Urknall gelegt. Dann nämlich brachten die ersten Sterne die dafür essentiellen Elemente wie Kohlenstoff oder Sauerstoff hervor. Nach derzeit gültigen Hypothesen dürfte das Universum weitere 10 Billionen Jahre existieren, ehe die letzten Sterne verlöschen.

Kleine, langlebige Sterne

Der dominante Faktor ist in diesem Zusammenhang jedoch die Lebenszeit der Sterne selbst. Während Sterne mit mehrfacher Sonnenmasse ihren Brennstoff verbraucht haben, bevor sich Leben überhaupt entwickeln kann, strahlen kleine, massearme Sterne theoretisch für Billionen Jahre und geben dem Leben damit mehr als genug Zeit, um sich zu entwickeln. Daraus folgt nach den Berechnungen von Loeb und seinen Kollegen, dass die Wahrscheinlichkeit für die Entstehung von Leben mit fortschreitendem Alter des Kosmos' dramatisch steigt.

Mit anderen Worten: Wir könnten zwar derzeit – quasi als kosmische Frühgeburt – allein im Universum sein, aber nur deshalb, weil die die Hochkonjunktur für Leben erst bevor steht. Eine andere, freilich bedeutend pessimistischere, Annahme wäre allerdings, dass kleine langlebige Sterne für Leben ungeeignet sind, weil sie etwa wegen häufiger Strahlenausbrüche entsprechende Entwicklungen schon von Beginn an im Keim ersticken. Ob das zutrifft, könnten laut Loeb die Beobachtungen der kommenden Jahre erweisen. (red, 3.8.2016)


Abstract
Journal of Cosmology and Astroparticle Physics: "Relative Likelihood for Life as a Function of Cosmic Time."

  • Leben um einen roten Zwerg? Sollten die Bedingungen dafür geeignet sein, dann könnte das Universum in ferner Zukunft bedeutend belebter sein als heute.
    illu.: christine pulliam (cfa)

    Leben um einen roten Zwerg? Sollten die Bedingungen dafür geeignet sein, dann könnte das Universum in ferner Zukunft bedeutend belebter sein als heute.

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