Indie-Game der Woche: "Abzû"

6. August 2016, 11:00
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Der meditative Unterwassertrip "Abzû" entführt in eine traumhafte Welt voller Emotionen

Die Welt unter Wasser ist faszinierend – das weiß jeder, der je mit Schnorchel oder Sauerstoffflasche ihre Schönheit erlebt hat oder auch nur in großen Aquarien zu Besuch war. Die Welt unter Wasser kann aber auch ganz schön nerven – das weiß jeder, der in Spielen wie "Ocarina of TIme" oder "Tomb Raider" über knifflige Orientierung und zu schmal bemessene Luftvorräte geflucht hat.

In "Abzû" (PS4, Windows, 19,99 Euro) muss man sich vor diesen Stressfaktoren allerdings nicht fürchten – im Gegenteil: Das Unterwasser-Explorationsspiel entführt seine Spielerinnen und Spieler stattdessen in eine meditative, hypnotisch schöne Unterwasserwelt, die fast zur Gänze ohne spielerische Herausforderungen, Rätsel oder Geschicklichkeitsprüfungen auskommt. Zu sehen – und zu erleben – gibt es trotzdem einiges.

Mysteriöse Reise in die Tiefe

Ein namenloser Taucher erforscht eine bis in kleinste Details liebevoll gestaltete Welt unter der Wasseroberfläche. Von seichten, sonnendurchfluteten Korallenriffen führt der letztlich lineare Weg über Unterwasserhöhlen und Ruinen bis in die dunkelblaue Tiefsee, in der das zentrale Mysterium der ohne Worte erzählten Geschichte wartet. Das Highlight von "Abzû" ist ohne Zweifel die reiche Tierwelt: In überwältigender Vielzahl schwimmen kleinste bis riesige Meereslebewesen um uns herum, teils in beeindruckend verwirklichten Schwärmen von vielen hundert Fischen.

Die Begegnungen mit diesen unzähligen Tieren lassen "Abzû" zu einem meditativen Tauchgang mit immer wiederkehrenden Elementen des Staunens und der Freude an dieser exotischen Welt werden. An speziellen Orten lassen sich die Meeresbewohner durch "Meditation" noch ausgiebiger bewundern; dann bleibt der Taucher regungslos sitzen, während per Knopfdruck zwischen den einzelnen ihn umschwimmenden Fischen gewechselt werden darf.

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"Journey" unter See

Nicht zufällig erinnert "Abzû" an das 2012 erschienene Ausnahmespiel "Journey": Matt Nava, der Gründer des Indie-Studios Giant Squid, war sowohl an "Flower" als auch an "Journey" als Art Director beteiligt, und auch der begnadete Games-Komponist Austin Wintory steuert wie beim Playstation-exklusiven "Journey" seine beeindruckende orchestrale Musik zur Unterwasserodyssee bei. In beiden Spielen ist der Weg das Ziel, und in beiden ist die Reise relativ kurz und linear, dafür aber umwerfend atmosphärisch und vor allem emotional berührend geraten.

Die grafisch wunderschöne Spielewelt verbindet sich vor allem mit der Musik zu einem Erlebnis, das immer wieder mit außergewöhnlichen Momenten beeindruckt und lange im Gedächtnis bleibt; kein Wunder, dass man immer wieder besonders beeindruckende Szenen und Bilder per Screenshot festhalten und so verewigen möchte.

Den Originalitätsbonus von "Journey" kann "Abzû" trotz seines frischen Szenarios nicht für sich verbuchen, doch das stört die Freude an dem Ausflug unter Wasser absolut nicht. Auch die an einzelnen Stellen suboptimale Kamerapositionierung und Steuerung des Protagonisten ist angesichts fehlenden Frustpotenzials kaum der Rede wert. "Abzû" ist ein Erlebnis, das für seine knapp drei Stunden Spielzeit an einen außergewöhnlichen Ort entführt und seine Spielerinnen und Spieler mit einem glücklichen Lächeln entlässt. (Rainer Sigl, 06.08.2016)

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Abzû

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