Grüner Rat Embacher sieht Grasl und Konzept skeptisch

3. August 2016, 16:31
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Grüner Stiftungsrat nimmt bürgerlichem Kandidaten Rolle des "Koordinators" nicht ab – Steger hält Grasl-Bewerbung für moderner

Wien – Kommenden Dienstag entscheidet eine Handvoll Einzelkämpfer über den nächsten ORF-Chef. Blau, Grün, Gelb, Pink und einige Unabhängige bringen dem Kandidaten der SPÖ oder jenem der ÖVP die Mehrheit – dem amtierenden General Alexander Wrabetz oder Finanzdirektor Richard Grasl. Einer dieser Einzelkämpfer lässt nun Präferenzen zumindest erahnen.

Wilfried Embacher, Vertreter der Grünen, sieht das Konzept des bürgerlichen Kandidaten Grasl "skeptisch". Embacher will ihm nicht recht glauben, dass sich der Macher und Machtmensch aus Niederösterreich tatsächlich mit der Rolle eines "Koordinators" unter den ORF-Direktoren bescheidet.

E-Mail-Verkehr mit Strasser

Zu Embachers Skepsis gesellte sich Mittwoch Peter Pilz' Archiv von E-Mails von und an den langjährigen ÖVP-Politiker Ernst Strasser. Der Grüne Abgeordnete erinnerte per Tweet an Grasls Dankmail von 2002 an den "lieben Ernst" und Innenminister, als Grasl Chefredakteur des ORF Niederösterreich wurde: "Ich weiß ja offiziell nicht, ob du deine Finger dabei irgendwie im Spiel gehabt hast ... Aber ich danke dir jedenfalls für deine bisherige Unterstützung!" Das sei 15 Jahre her, ging Grasl darauf im STANDARD-Chat nicht weiter ein. Pilz kündigte für Donnerstag weiteren Grasl-Mailverkehr aus dem Strasser-Fundus an.

Haselsteiner hält sich bedeckt

Stiftungsrat Embacher wollte sich Mittwoch – bei aller Skepsis – noch nicht für oder gegen Generalskandidaten festlegen. Mit Hans Peter Haselsteiner (Neos) und Günter Leitold (Stronach) ließ sich Embacher wie berichtet am Dienstag von Wrabetz und Grasl deren Konzepte und Pläne erläutern. Haselsteiner hielt sich Mittwoch bedeckt, er analysiere nun die unterschiedlichen Zugänge.

FPÖ-Stiftungsrat Norbert Steger lobte in Österreich Grasls Konzept als "modern". Das bedeute aber noch keine fixe Stimme für den bürgerlichen Kandidaten.

Der unabhängige Stiftungsrat Franz Küberl, lange Caritas-Manager, legt sich ebenso wenig fest. Erst fragt er im Hearing am Dienstag, wie die Kandidaten ihre Konzepte leben wollen – und was die Umsetzung kostet. (fid, 3.8.2016)

Analyse

Die Glaubensfrage ORF-Generalswahl – Mehr noch als Grasl kann man Wrabetz vorwerfen, dass er vieles aus seinem Konzept schon längst hätte vorantreiben können – oder müssen

Nachlese

Oppositions-"Hearing": Embacher bei Grasls Direktionskonzept skeptisch – Grüner Stiftungsrat nimmt bürgerlichem Kandidaten Rolle des "Koordinators" nicht ab – Steger hält Grasl-Bewerbung für moderner

Konzepte im Original

Generalskonzepte im Original: Was Wrabetz und Grasl für den ORF planenMachen Sie sich selbst ein Bild vom – voraussichtlich – nächsten ORF-Chef – Die Bewerbungen im Original als Download

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    foto: standard/corn
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