"The Girl King": Der Widerspenstigen Zähmung

4. August 2016, 08:00
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Die schwedische Monarchin Kristina geht nicht nur in Herzensangelegenheiten zu weit, sie stößt auch mit ihren Friedensplänen auf Unverständnis bei Adel und Klerus

"Die Liebe liebt es zu leben", schreibt René Descartes der jungen schwedischen Königin, die sich vom französischen Philosophen das größte Geheimnis der Welt erklären lässt. Und das Leben spüren möchte Kristina (Malin Buska) nicht erst, seit sie als Mädchen von ihrer von der Trauer in den Wahnsinn getriebenen Mutter (Martina Gedeck) befreit wurde. Doch die unter den Fittichen des Reichskanzlers (Michael Nyqvist) herangewachsene Monarchin geht nicht nur in Herzensangelegenheiten zu weit, indem sie sich in ihre bildhübsche Komtess verliebt, sondern stößt auch mit ihren Friedensplänen, die den Dreißigjährigen Krieg beenden sollen, auf Unverständnis bei Adel und Klerus.

Dass sich Mika Kaurismäki in The Girl King, seiner Verfilmung der skandalumwitterten Biografie von Königin Christina von Schweden (1626-1689), einige Freiheiten herausnimmt, könnte man mit den historisch belegten Fakten begründen: Mäzenin der Künstler und Denker, unkonventionelles Auftreten, Thronverzicht und Konvertierung zum Katholizismus bestimmen auch in The Girl King die Jahre der unangepassten Regentschaft.

Daraus hätte ein bildgewaltiges, vielleicht gar psychologisch ausdifferenziertes Königinnendrama werden können. Doch im Gegensatz zu Königin Christine (1933), in dem Greta Garbo zu diesem Zweck die Herrscherin mit dem Mantel der Unnahbarkeit einhüllte, möchte The Girl King eine moderne Emanzipationsgeschichte erzählen und stößt vor allem mit als Dialog getarnten Stehsätzen und einer an Märchenfilme gemahnenden Ausstattung an die engen Grenzen einer kompatiblen Fernsehverfilmung. "Muss ich alles aufgeben, was ich bin, um das zu werden, was ich sein will?" Die Antwort bleiben Descartes und leider auch Kaurismäki schuldig. (pek, 4.8.2016)

  • Den Reichskanzler im Nacken: Michael Nyqvist denkt an das Land, Malin Buska an das Leben.
    foto: filmladen

    Den Reichskanzler im Nacken: Michael Nyqvist denkt an das Land, Malin Buska an das Leben.

  • filmladen filmverleih

    Trailer.

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