Große Getreideernte, niedriger Preis

3. August 2016, 14:40
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Eine hohe Ernte haben die Bauern eingefahren. Damit verringern sich die Importe. Die Preise aber sinken. Weltweit gibt es eine Rekordernte

Wien – Eigentlich haben die Getreidebauern heuer eine sehr gute Ernte eingefahren. Da es aber – weltweit und auch in Österreich – volle Lager gibt, sind die Preise im Keller. Auch in Österreich werde man keine besonderen Preise erzielen können, befürchtet der Vorsitzende des Verwaltungsrates der Agrarmarkt Austria (AMA), Franz Stefan Hautzinger.

Ohne Mais wird die Getreideproduktion in Österreich heuer bei 3,7 Millionen Tonnen zu liegen kommen. Das liegt über dem Niveau der letzten fünf Jahre. Besonders im Vorjahr mit dem ausgesprochen trockenen Sommer gab es ein starkes Ertragsminus. Heuer hingegen wurde das Pflanzenwachstum durch den milden Winter begünstigt. Aufgrund der großen Menge fiel die Qualität dabei aber meistens nur mittelmäßig aus, so der Experte.

Die großen Getreidemengen, die hohen Lagerbestände und eine prognostizierte Ernte von zwei Millionen Tonnen Mais belasten den Markt. Dementsprechend niedrig notiert aktuell die landwirtschaftliche Produktenbörse in Wien.

Kleinere Versorgungslücke

Der Importnettobedarf von 800.000 Tonnen Getreide im Vorjahr wird sich voraussichtlich auf nur 200.000 Tonnen verringern, erläutert Günter Griesmayr, AMA-Vorstandsvorsitzender, bei der alljährlichen Getreide-Pressekonferenz. In Deutschland und Frankreich sei die Situation anders. Aufgrund des immer wiederkehrenden Regens gibt es dort heuer durch die Bank schlechte Qualitäten. Das könnte eine Chance bei der Vermarktung für uns darstellen", sagte er. Besonders bei Qualitätsweizen werden heuer höhere Preisaufschläge überall dort erwartet, wo es schwache Ernten gegeben hat.

Bei den EU-28 gibt es ein äußert gemischtes Bild. Insgesamt ist die Gesamtgetreideerntemenge mit 312,9 Millionen Tonnen hoch; die Weizenernte liegt mit 10 Millionen Tonnen weniger stark, aber deutlich unter dem Vorjahr.

Weltweit Rekordernte

International wird heuer eine rekordverdächtige Ernte erwartet. Nordamerika erwartet um 8,4 Prozent höhere Weizenerträge; in der Ukraine werden die höchsten Erträge seit 20 Jahren erwartet. Auch in Russland wurden die Prognosen mehrfach erhöht, und zwar auf die Rekordernte von 65 Millionen Tonnen. Weltweit wird vom Internationalen Getreiderat (IGC) eine Erntemenge von insgesamt 735 Millionen Tonnen Weizen und 1,017 Milliarden Tonnen Mais ausgegangen. Zuwächse beim Mais gibt es vor allem in den USA (plus 6,9 Prozent) und Brasilien (plus 14,3 Prozent).

Diese Situation setzt natürlich die Preise unter Druck. "Die weltweiten Lagervorräge auf Rekordniveau sowie die heuer zu erwartende hohe Getreideernte beeinflussen die Notierungen am Weltmarkt. Der im Vorjahr eingetretene Rückgang der Weltmarktpreise setzt sich derzeit weiter fort", so Christian Gessl, zuständiger Abteilungsleiter bei der AMA. Wie in den letzten Jahren auch, überstieg die Ernte den weltweiten Verbrauch.

Internationale Notierungen

Dementsprechend liegen die internationalen Notierungen derzeit bei Weizen um rund 22, bei Mais um rund zwölf und bei Raps bei rund zehn Prozent unter den Höchstwerten der letzten zwei Jahre.

In Österreich sei es so, dass man mit der Situation halbwegs komfortabel leben könne, heißt es. Qualitäts-Überschüsse, teilweise mit starkem Verarbeitungsgrad, würden exportiert; billigere Getreidesorten, etwa für die Mischfutterindustrie, würden importiert. So wurden im Vorjahr zwei Millionen Tonnen Getreide importiert und 1,3 Millionen Tonnen exportiert. Insbesondere Italien sei Abnehmer von Hochqualitätsweizen. Wermutstropfen allerdings: Es werde grundsätzlich immer schwieriger, entsprechende Deckungsbeiträge zu erwirtschaften. "Die Erlöse pro Tonne werden niedriger", sagte Hautzinger. (ruz, 3.8.2016)

  • Die Ernte in Österreich ist eingefahren. Die Preise sind allerdings stark unter Druck, weil die Ernten weltweit hoch sind.
    dpa/warnack

    Die Ernte in Österreich ist eingefahren. Die Preise sind allerdings stark unter Druck, weil die Ernten weltweit hoch sind.

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