Umbau der Bank Austria hakt noch immer

2. August 2016, 18:35
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Die Hauptversammlung zur Abspaltung des Ostgeschäfts soll am Freitag stattfinden. Noch fehlt aber die Einigung der Minderheitsaktionäre mit Unicredit

Wien – Die Abspaltung des Osteuropa-Geschäfts (CEE) der Bank Austria und seine Übersiedlung zur Mailänder Mutter hängt an einem seidenen Faden. Für Freitag ist die Hauptversammlung anberaumt, der ursprüngliche Termin 1. August ist ja, wie berichtet, abgesagt worden. Grund dafür: Unicredit und die mit Minderheitsrechten ausgestatteten Kleinstaktionäre Betriebsratsfonds und die Gemeinde-Wien-nahe AVZ-Stiftung haben sich noch nicht auf die Modalitäten geeinigt.

Dieser Dissens hat sich auch in der Aufsichtsratssitzung der Bank Austria (BA) am Montag manifestiert. Das Kontrollgremium unter Führung von Ex-BA-Chef Erich Hampel hat die CEE-Abspaltung zwar beschlossen – aber die Abstimmung ist relativ knapp ausgegangen. Die acht Kapitalvertreter haben dafür gestimmt, die sechs vom Betriebsrat entsandten Mitglieder dagegen – und die zwei AVZ-Emissäre enthielten sich der Stimme.

AVZ ist noch unentschieden

Die AVZ will erst am Donnerstag in einer außerordentlichen Sitzung entscheiden, ob sie an der Hauptversammlung teilnimmt. "Wir haben noch offene Fragen zu klären", erklärt ein AVZ-Vorstandsmitglied auf Nachfrage des STANDARD. Zur Erinnerung: Betriebsratsfonds und AVZ können die Abspaltung blockieren, indem sie der Aktionärsversammlung fernbleiben.

Die Interessenlage der AVZ resultiert aus ihrer Haftung für alle Verbindlichkeiten der BA. Die Stadt Wien wiederum ist Ausfallsbürgin für die AVZ, und sie haftet für Altverbindlichkeiten aus Pensionslasten und Anleihen, von denen die letzte 2033 ausläuft, ein Großteil davon (700 Mio. Dollar) jedoch schon im nächsten Februar – es geht dabei um eine Anleihe, mit der die BA den Kauf der Creditanstalt gestemmt hat. Diese Haftungen (derzeit rund fünf Mrd. Euro) bleiben gemäß Spaltungsvertrag bei der "BA solo" in Wien.

Eine Milliarde bis Freitag

Die offenen Punkte zwischen den Verhandlern sollen in den vergangenen Tagen eher mehr als weniger geworden sein, heißt es vonseiten Involvierter; die Mailänder hätten ihre Zusagen verwässert. Kernfrage ist die Absicherung des Geschäftsmodells der abgemagerten BA mittels Kapitalzuschuss aus Italien. Um die Höhe wird aber nach wie vor gerungen. Die Aufsicht fordert 1,8 bis 1,9 Milliarden Euro: eine Milliarde gleich, der Rest in Raten bis 2018.

Geeinigt haben sich Wien und Mailand bisher nur auf die erste Milliarde. Sie soll bis Freitag auf den Konten der BA eintrudeln. (Renate Graber, 2.8.2016)

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