Beamte warten auf Neugebauers Entscheidung

3. August 2016, 09:00
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Langjähriger GöD-Chef könnte wiedergewählt werden – Nachfolger stünde bereit

Wien – Am 10. Oktober stellt die Gewerkschaft öffentlicher Dienst (GöD) die Weichen für die nächsten fünf Jahre – es ist der Fraktionstag der Mehrheitsfraktion FCG. Und es ist auch der Geburtstag des GöD-Chefs Fritz Neugebauer.

Der 72. Geburtstag, um genau zu sein. Und damit drängt sich die Frage auf, ob der oberste Beamtenvertreter sich und den von ihm vertretenen öffentlich Bediensteten weitere fünf Jahre in der Funktion schenkt. Es gibt keinen Zweifel, dass er wiedergewählt würde, wenn er nochmals kandidiert – zuletzt, 2011, bekam Neugebauer 85,6 Prozent. Und er hat seither allseits anerkannt gute Vertretungsarbeit für seine Klientel geleistet. Es wäre auch für einen Gewerkschafter nicht ungewöhnlich, wenn er bis ins hohe Alter aktiv bliebe – der langjährige ÖGB-Präsident Anton Benya (1963 bis 1987) stand beispielsweise bis ins Alter von 75 Jahren höchst erfolgreich an der Spitze des Gewerkschaftsbunds.

FSG-Vorsitzender Holzer geht

Aber ob Neugebauer, der derzeit urlaubt, beim Bundeskongress der GöD vom 11. bis 13. Oktober noch einmal antreten wird, vermag niemand zu sagen. "Das wird er uns wohl um den 20. September mitteilen", sagt einer, der tatsächlich nicht mehr antreten wird: Richard Holzer, seit 1993 Vorsitzender der sozialdemokratischen Minderheitsfraktion FSG in der GöD und als solcher einer der Stellvertreter Neugebauers.

Der 66-jährige Holzer verabschiedet sich beim Bundeskongress in den Ruhestand und übergibt seine Funktion an Hannes Gruber, der in der Fraktion Besoldungsreferent ist.

Schnedl weiß es noch vor dem Minister

Aufseiten der Mehrheitsfraktion stünde mit Norbert Schnedl jedenfalls ein erfahrener und in der Gewerkschaft längst etablierter Funktionär zur Verfügung. Ein Gewerkschaftsinsider sagt: "Neugebauer weiß, was in der Verwaltung vorgeht, immer als Erster und meist Tage vor dem zuständigen Minister. Schnedl weiß es ein paar Stunden später, aber immer noch vor dem jeweiligen Minister."

Schnedl, der übernächste Woche 56 wird, hat seine Karriere 1979 bei der Gendarmerie begonnen, im zweiten Bildungsweg studiert und ist dann ins Bundeskanzleramt gewechselt, wo er für Dienstrecht und Verwaltungsreform zuständig war. Später kam er in die Budgetsektion des Finanzministeriums – für dessen Belegschaft er immer noch engagiert eintritt: Statt öffentlich Bedienstete abzubauen, müsse man gerade in der Finanzverwaltung massiv aufstocken, weil jeder Finanzprüfer dem Staat mehr bringe, als er koste, versichert er.

In der GöD ist Schnedl Dienstrechtsreferent – zudem ist er seit neun Jahren Vizepräsident des ÖGB. Und er ist Vorsitzender der Fraktion Christlicher Gewerkschafter, also jener Fraktion, die in den meisten Teilgewerkschaften eine Minderheit, in der GöD aber eine satte Mehrheit stellt.

Wechsel im ÖAAB

Die FCG tritt bei Wahlen zur Arbeiterkammer, zur Personalvertretung und bei einigen Betriebsratskörperschaften zwar vielfach in einer Listenkombination mit dem ÖVP-Arbeitnehmerbund ÖAAB an, legt aber mehr noch als die FSG wert darauf, parteiunabhängig zu sein. Noch vor dem Bundeskongress der Beamtengewerkschaft kommt es zu einem Wechsel an der Spitze des ÖAAB: Sozialsprecher August Wöginger, der die Geschäfte nach dem Abgang der als ÖAAB-Chefin unauffälligen Johanna Mikl-Leitner im April führt, soll beim Bundestag seiner Teilorganisation am 10. September auch offiziell gewählt werden. (Conrad Seidl, 3.8.2016)

  • Beamten-Chef Fritz Neugebauer (72).
    foto: apa / herbert pfarrhofer

    Beamten-Chef Fritz Neugebauer (72).

  • Möglicher Nachfolger Norbert Schnedl (56).
    foto: apa / jäger

    Möglicher Nachfolger Norbert Schnedl (56).

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