Trotz Krise investieren heimische Firmen in Russland

3. August 2016, 09:46
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Die Lage in Russland schreckt österreichische Unternehmer nicht ab. Ein neues "Kornspitz"-Werk und Spanplattenfabriken entstehen

Moskau – Ende Juli hat der Backwarenproduzent Backaldrin den ersten Spatenstich für eine Fabrik in Stupino, 75 Kilometer südlich von Moskau, gesetzt. Für das Familienunternehmen aus Oberösterreich ist es der sechste Produktionsstandort weltweit und der erste in Russland. "Brotbacken hat im größten Land der Welt Tradition, und Brot und Backwaren guter Qualität werden hier genauso geschätzt wie bei uns", erklärte Backaldrin-Geschäftsführer Harald Deller bei der Grundsteinlegung. Bereits 2017 soll das Werk der russischen Tochtergesellschaft Arvalus mit zunächst 30 Mitarbeitern in Betrieb gehen.

Die Investitionen in die 4300 Quadratmeter große Anlage in Stupino werden bei acht bis zehn Millionen Euro liegen. Die Fabrik arbeitet vor allem für den russischen Markt. Daneben werde Backaldrin ("Kornspitz") über Stupino auch die Nachbarländer versorgen, kündigte Deller an. Backaldrin ist seit Jahren in der GUS präsent.

Österreichs Exporte leiden

Trotzdem ist die Millioneninvestition in Zeiten von Sanktionen und Wirtschaftskrise durchaus azyklisch. Der bilaterale Handel ist nach wie vor schwach. In den ersten vier Monaten fiel der Export aus Österreich nach Russland laut dem Wirtschaftsdelegierten Dietmar Fellner um weitere 14,8 Prozent auf 543,6 Millionen Euro.

Über die Aussichten der russischen Ökonomie streiten sich Regierung und Wirtschaftsexperten. Während das russische Wirtschaftsministerium erst in der vergangenen Woche verkündete, der BIP-Verfall sei "praktisch zum Stehen gekommen", legte die Moskauer Higher School of Economics deutlich pessimistischere Zahlen vor: Demnach wurde die zeitweise gebildete Talsohle inzwischen weiter (um 1,4 Prozent) nach unten durchbrochen. Damit bestehe das Risiko, dass die Rezession nicht nur das laufende, sondern auch das nächste Jahr anhalte, so die Wirtschaftsexperten, die vom jüngsten Einkaufsmanagerindex bestätigt werden.

Holzindustrie legt zu

Doch Backaldrin ist nicht das einzige österreichische Unternehmen, das wieder in Russland investiert: Kronospan hat so nicht nur sein bestehendes Spanplattenwerk in Jegorjewsk für 170 Millionen Euro ausgebaut, sondern in Ufa für 250 Millionen auch noch das weltgrößte seiner Art dazu fertiggestellt. Daneben verstärkte sich der Konzern mit einem Zukauf in Noginsk für 50 Millionen Euro und will 2017 in Kaluga und Kaliningrad für insgesamt 350 Millionen Euro weitere zwei Werke bauen.

Konkurrent Egger investierte derweil 150 Millionen Euro in eine Spanplattenfabrik im Gebiet Smolensk. Insgesamt haben österreichische Firmen in der russischen Pharma-, Chemie-, Baustoff- und Holz- und Papierindustrie nach Einschätzung des Außenwirtschaftscenters Projekte über 200 Millionen Euro in Planung.

Problem mit Rubelkurs

Dabei dürfte auch die anhaltende Rubelschwäche eine Rolle spielen. Diese ist ein Problem für österreichische Exporteure, die auf den russischen Markt wollen, zugleich aber auch eine Chance für Produzenten vor Ort. So exportieren inzwischen viele Sägewerke mit Standort in Russland ihre Ware wieder nach Europa.

Fellner zählt als weiteres Beispiel die Firma Containex der Walter Group auf "Sie exportiert seit einem Jahr eine sehr große Stückzahl Container vor allem nach Deutschland und Österreich, wo diese gebraucht werden beim Aufbau der Flüchtlingsdörfer", sagte er. Die Kapazitäten waren durch den geringeren Containerbedarf im Öl- und Gassektor frei geworden. (ab, 3.8.2016)

  • Werden auch in Russland erzeugt: Kornspitze.
    foto: backaldrin

    Werden auch in Russland erzeugt: Kornspitze.

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