Finanzen: ORF steuert auf "heftige Turbulenzen" zu

2. August 2016, 17:18
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Alexander Wrabetz und Richard Grasl präsentierten ihre Konzepte am Dienstag oppositionellen Stiftungsräten

Wien – Eine Präferenz für einen Kandidaten lässt sich der Grünen-ORF-Stiftungsrat Wilfried Embacher noch nicht entlocken. "Es steht und fällt mit der Frage der Unternehmensführung", sagt er zum STANDARD: "Wer ist bereit, einen Teil seiner Machtkompetenzen abzugeben?" Sowohl Alexander Wrabetz als auch Richard Grasl wollen die ORF-Alleingeschäftsführung aufweichen, indem durch eine Änderung der Geschäftsordnung Entscheidungen im Board der Direktoren getroffen werden. Aber: Die Umsetzung habe viel mit der Persönlichkeit zu tun, sagt Embacher, nachdem ihm am Dienstag Wrabetz und Grasl ihre Konzepte präsentierten.

Neben Embacher waren bei den rund einstündigen Terminen noch seine Stiftungsratskollegen Günter Leitold (Team Stronach) und Hans Peter Haselsteiner (Neos) dabei. Die oppositionellen Vertreter sind das Zünglein an der Waage, wenn am 9. August 35 Stiftungsräte den ORF-Generaldirektor wählen.

Gegen zehn Prozent höhere ORF-Gebühren spricht sich etwa Christoph Hagen, Mediensprecher vom Team Stronach, aus. Die Forderung richtete er an Grasl, den in dem Fall aber nur eine Teilschuld trifft: Die Gebührenanhebung steht in der Finanzvorschau des ORF von 2016 bis 2020 – und die wurde sowohl von Grasl als Finanzchef und Wrabetz erarbeitet.

In ihren Bewerbungskonzepten sehen die zwei Bewerber um die ORF-Wahl die Finanzen des Senders nämlich aber unter Druck.

Grasl: Finanzlücke

"Die Ertragslage ist für die kommenden Jahre heftigen Turbulenzen ausgesetzt", schreibt etwa Grasl und nennt "höchstgerichtliche Urteile in Sachen Dienstzeiten, Werbebeschränkungen oder steigenden Kosten für Lizenzen" als Gründe.

"Selbst bei der bis jetzt in der mittelfristigen Finanzvorschau angesetzten – aber noch gar nicht beschlossenen – Gebührenerhöhung im Herbst 2016 bleibt eine zu schließende Lücke für die kommenden Jahre von jährlich 30 bis 50 Millionen Euro", rechnet der Kaufmännische Direktor vor.

Spielraum für Programminvestitionen im Ausmaß von jährlich zehn Millionen Euro soll es dennoch geben, indem Mittel von der Verwaltung und der Technik ins Programm fließen.

Wrabetz erhofft etwa mehr Geld durch eine Aufweichung der Beschränkungen, die das Gesetz dem ORF bei der Onlinewerbung auferlegt. Kurzfristig sei die Stärkung der Kompetenz und Aktivitäten der Gebühren Info Service (GIS) von besonderer Bedeutung, um die Zahl der Gebührenzahler zu erhöhen.

In puncto Gagen würde Grasl bei der Geschäftsführung ansetzen. "Ich spreche mich für ein leistungsorientiertes Entlohnungssystem aus, das 30 Prozent der bisherigen Remuneration nur bei Erreichen bestimmter Unternehmensziele enthält", schreibt er.

Wrabetz verweist in seiner Bewerbung auf die zuletzt angewandte Praxis. Das jährliche Salär des ORF-Generaldirektors beträgt laut Medienberichten 350.000 bis 400.000 Euro, jenes für Direktoren soll zwischen 250.000 und die 300.000 Euro liegen. (APA, omark, 3.8.2016)

Nachlese

ORF steuert bei Finanzen auf "heftige Turbulenzen" zu – Grasl ortet Lücke von jährlich 30 bis 50 Millionen – 10,5 Prozent Gebührenerhöhung – Wrabetz für Gesetzesänderung bei Werbung und Gebühren

  • Richard Grasl ortet eine Lücke von 30 bis 50 Millionen Euro.
    foto: standard/fischer

    Richard Grasl ortet eine Lücke von 30 bis 50 Millionen Euro.

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