"Maggies Plan": Zwischen Samenbank und Biogärten

2. August 2016, 17:18
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Greta Gerwig spielt in der Beziehungskomödie eine Frau aus Brooklyn, die gerne ein ehrliches Leben führen würde – nicht das Einzige, was sich in dieser geschützten Welt nicht planen lässt

Wien – Im weiten Land der amerikanischen Geisteswissenschaften findet sich so manche hübsche Blüte. Dazu muss man wohl auch das Teilfach der Fiktokritikalität zählen, in dem John Harding (Ethan Hawke) beschäftigt ist, ein New Yorker Intellektueller, der seine Rolle perfekt ausfüllt. Denn neben seiner akademischen Arbeit schreibt er an einem Roman. Er sucht nur noch ein Publikum dafür. Eines Tages kann dieses Publikum groß und zahlreich sein, vorerst reicht ihm schon ein (weibliches) Wesen, dem er sein erstes Kapitel anvertrauen kann.

foto: thimfilm
Durch Brooklyn in schweren Retromänteln unterwegs: Ethan Hawke als junger Intellektueller, der in "Maggies Plan" mit Greta Gerwig auf eine Leserin mit Kindeswunsch trifft.

Diese erste Leserin ist eine Kollegin namens Maggie, die gerade mit einem ganz anderen schöpferischen Projekt zugange ist. Sie möchte ein Kind, hat aber keinen geeigneten Vater und hat sich deswegen nach einem Samenspender umgesehen. Den offiziellen Weg zur Samenbank hat sie vermieden. Sie hat einfach einen alten Bekannten angesprochen. Guy ist einer dieser urbanen Waldschrate, die New York gerade in alle Weltgegenden exportiert, die von Brooklyn aus als cool gelten. Er trägt Bart und ständig Wollmütze, sein Geschäftsfeld ist auch irgendwie einschlägig: Er ist nämlich "pickle-entrepreneur". Er legt Gurken ein und hofft dabei auf einen Welterfolg, den er auf lokalen Biomärkten auch schon hat.

Von Guy kommt das männliche Erbmaterial, ohne das eine Frau kein Kind bekommen kann. Im entscheidenden Moment bietet er ihr sogar an, den Samen auf die "altmodische Weise" zu übermitteln, aber das wäre ja dann Sex – und weniger komisch. Um eine Komödie geht es aber in Maggies Plan von Rebecca Miller, jedenfalls in diesem weiteren Sinn, der sich einstellt, wenn man mit einem gnädigen Blick auf die seltsamen Bräuche von Menschen blickt, die in vielen Dingen schon ein wenig weiter sind. New York gilt als deren Hauptstadt, auch wenn sie dort manchmal Bored to Death sind, wie eine TV-Serie augenzwinkernd behauptet.

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Die Sitten und Gebräuche dieser Leute kennen wir auch aus anderen Serien, notabene aus einer, die den Titel Girls trägt. Maggie könnte aus der Welt von Lena Dunham stammen, sie wurde aber von Karen Rinaldi für ein Drehbuch erfunden, das wie eine Quintessenz aller geläufigen Vorstellungen über New York wirkt. Auch die Besetzung ist ein Signal. Greta Gerwig war Frances Ha in dem Film von Noah Baumbach, und sie hat auch schon bei Woody Allen mitgespielt, um die größte denkbare Referenz nicht zu vergessen.

Eine der Pointen in Maggies Plan besteht darin, dass es bei ihrem Plan gar nicht um ihre im weitesten Sinne künstliche Befruchtung geht (das ist auch ein Plan, aber ein anderer), sondern um einen Versuch, an anderer Stelle Ordnung in ihr Beziehungsleben zu kriegen. Dabei geht es um eine Frage, die häufig schwierig zu beantworten ist: Wann wird aus einer Affäre eine Beziehung, und wann bliebe eine Beziehung vielleicht besser eine Affäre?

Haar- und textilsträubend

Jedenfalls bleibt die Beziehung zwischen dem Fiktokritiker John und seiner Leserin Maggie nicht in einem Stadium, in dem John weiter mit seiner Partnerin Georgette zusammenbleiben könnte, die an der Columbia University Anthropologie unterrichtet und eine Neigung hat, aus Erlebtem immer gleich Bücher zu machen. Julianne Moore hat als zweite weibliche Hauptrolle in Maggies Plan den Nachteil, dass sie ständig seltsames Fusselzeug tragen muss, gleichsam als wäre ihr Leben ein haar- und textilsträubendes.

In dieser Welt samt kommentierendem Freundeskreis spielt sich das alles ab. Es gibt dabei Momente eher schwergängiger Satire, für die sich auch jemand wie Wallace Shawn missbrauchen lässt, der eine Podiumsdiskussion leitet, in der es fiktokritisch um Occupy geht. Es gibt aber auch eine glaubwürdigen Kern: "I want to live honestly", sagt Maggie einmal. So was lässt sich nicht planen, Greta Gerwig kann das aber sehr gut spielen. Und falls das nicht reicht, kann man sich ja noch einmal den sehr vergleichbaren Das Glück der großen Dinge (What Maisie Knew) ansehen, in den Greta Gerwig auch wunderbar gepasst hätte und in dem Julianne Moore die Hauptrolle hatte. (Bert Rebhandl, 2.8.2016)

Ab 5.8. im Kino

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