US-Einsatz in Libyen als Risiko für Premier Serraj

2. August 2016, 16:53
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Um den lokalen Kräften einen entscheidenden Schlag gegen den IS in seiner Hochburg Sirte zu ermöglichen, hilft die USA mit Luftschlägen. Zuletzt gab es in Libyen heftige Proteste, nachdem bestätigt wurde, dass ausländische Spezialeinheiten aktiv sind

Tripolis/Kairo – Nach hohen Verlusten in den eigenen Reihen hat der UN-gestützte Präsidialrat in Tripolis die USA um Unterstützung im Kampf gegen den IS in Sirte gebeten. US-Kampfjets haben daraufhin am Montag fünf Einsätze gegen IS-Panzer und Fahrzeuge geflogen. Weitere sollen folgen.

Diesmal hat sich Premier Fayaz al-Serraj gleich mit einer Fernsehansprache an die Bevölkerung gewandt und hat die Kommandozentrale der Operation Bunyan Marsous besucht. Mit dem offiziellen Einsatz fremder Truppen geht er ein hohes Risiko ein. In den vergangenen Wochen kam es landesweit zu Protesten gegen die Verletzung der Souveränität, nachdem drei französische Soldaten bei ihrer "geheimen" Mission in der Nähe von Bengasi getötet worden waren.

Hunderte IS-Kämpfer

Seit Mai kämpfen die mit der Regierung der Nationalen Einheit liierten Truppen – hauptsächlich aus Misrata – gegen den IS in seiner Hochburg Sirte. Nur noch wenige Stadtbezirke sind in den Händen der Jihadisten, die sich mit Heckenschützen, Sprengfallen und Autobomben wehren. Laut manchen Einschätzungen sind weniger als 300 IS-Kämpfer verblieben, die USA gehen allerdings von bis zu 1.000 aus.

Die Opferzahlen sind auf beiden Seiten hoch. 350 Tote und mehr als 2000 Verletzte gab es in den Reihen von Bunyan Marsous. Die Verbündeten von Serraj – allen voran Frankreich, Italien und England, aber auch Ägypten – haben die US-Intervention begrüßt. Mit allen Mitteln soll verhindert werden, dass der IS in Libyen ein Rückzugsgebiet einrichten kann.

Serraj betonte in seiner Ansprache ausdrücklich, dass die Luftschläge auf Sirte und die Umgebung beschränkt und keine US-Soldaten auf libyschem Boden seien. Das gilt nicht für kleine Kontingente französischer, britischer und italienischer Spezialtruppen.

Kein offizielles Mandat

Britische Soldaten leisten in Sirte, wie lokale Medien berichten, nicht nur Aufklärungsarbeit, sondern auch medizinische Versorgung und helfen mit Spezialmunition aus. Diese Missionen haben kein offizielles Mandat und unterstützen zum Teil – wie die Franzosen – auch Serrajs Rivalen, das heißt General Khalifa Haftar in seinem Kampf gegen islamistische Extremisten im Osten des Landes in Bengasi und Derna.

In den vergangenen zwei Wochen sind erneut diplomatische Bemühungen in Tunis und Kairo gescheitert, die zum Ziel hatten, ein gemeinsames Kommando über alle militärischen Kräfte im Westen und im Osten einzurichten. Auch die politische Blockade konnte nicht aufgelöst werden.

Erst wenn eine landesweit einheitliche militärische Struktur aufgebaut ist, kann das UN-Waffenembargo aufgehoben werden. Ganz oben auf der libyschen Wunschliste für Waffenlieferungen stehen Flugzeuge. Serraj, der seit März um die Legitimität und Autorität seiner von der UN vermittelten Einheitsregierung kämpft, konnte zuletzt zumindest einen kleinen Erfolg verbuchen. Es gelang, den rebellischen Chef der Garden der Ölinstallationen dazu zu bewegen, die Häfen in Ras Lanouf und al-Sidra wieder zu öffnen. Damit könnte die Nationale Ölgesellschaft endlich wieder mehr Öl exportieren und Geld für die klammen Haushaltskassen erwirtschaften. (Astrid Frefel, 2.8.2016)

  • Der libysche Premier Fayaz al-Serraj betont angesichts des US-Einsatzes, dass sich die Luftschläge auf Sirte und die Umgebung beschränken und sich keine US-Soldaten auf libyschem Boden befinden.
    foto: ap/leonhard foeger

    Der libysche Premier Fayaz al-Serraj betont angesichts des US-Einsatzes, dass sich die Luftschläge auf Sirte und die Umgebung beschränken und sich keine US-Soldaten auf libyschem Boden befinden.

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