Wünsche an den neuen ORF-Generaldirektor

3. August 2016, 11:03
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Am 9. August wählt der ORF-Stiftungsrat das Oberhaupt von Österreichs umsatzstärkstem Medienunternehmen. Zeit für die Branche, ihre Anregungen, Anliegen und Forderungen zu deponieren – Welche Wünsche haben Sie an den neuen ORF-Chef

Wien – Der ORF ist mit einem Jahresumsatz von 991,3 Millionen Euro Österreichs umsatzstärkstes Medienunternehmen.

Mehr als 4.000 Mitarbeiter

Er dominiert die Medienmärkte Fernsehen, Radio und Onlineinformation, ist Arbeitgeber von mehr als 4.000 Mitarbeitern und wichtigster Koproduktions- und Werbepartner des Landes.

Wer am 9. August Generaldirektor wird, hat somit weitreichende Entscheidungsgewalt. Der STANDARD stellte Entscheidungsträgern der Branche die Frage: Was wünschen Sie sich vom neuen Generaldirektor?

Georg Riha, Naturfilmer und Filmproduzent: "Mehr Geld für Kultur, vor allem für ORF 3!!! Mehr Geld für Dokus, mehr kritische, gute, ,wichtige' Thematisierungen und ,Spiegelungen' dieses ganzen Wahnsinns der Welt.

,Volksbildung' im besten Sinn, mehr: die öffentlich-rechtlichen Hausaufgaben erfüllen. Haltung, Qualität, Anspruch, Meinungsbildung, Reduktion von Tschingbum auf ORF 1, Summen für Lizenzen hinterfragen/reduzieren."

Christoph Becher, Radio-Symphonieorchester: "Ich wünsche mir ein leidenschaftliches Bekenntnis zum spannendsten Orchester Österreichs: dem ORF Radio-Symphonieorchester Wien."

Corinna Drumm, Verein Österreichischer Privatsender: "Vom ORF-Generaldirektor wünsche ich mir, im Schulterschluss mit den privaten nationalen Medien gegen die wachsende Dominanz der internationalen Onlinegiganten – insbesondere Google und Facebook – rasch gemeinsame und konstruktive Schritte zu setzen.

Die österreichische Medienbranche muss dringend geschlossen auf die existenzbedrohenden Gefahren reagieren und der Politik konstruktive Lösungen anbieten – sowohl auf nationaler, als auch auf EU-Ebene.

Abgesehen von diesem nationalen Schulterschluss bedarf es aber unbedingt eines grundsätzlichen Reflexionsprozesses über die zukünftige Rolle und das Angebot des öffentlichen Rundfunks in einer zunehmend digitalen Welt.

Wir wünschen uns vom ORF-Generaldirektor einen Bruch mit bisherigen Reflexen, wie zum Beispiel dem automatischen Ruf nach mehr Geld (Stichwort: Gebührenerhöhung).

An deren Stelle wünschen wir uns einen kritischen und ergebnisoffenen Diskussionsprozess darüber, inwieweit sich in die Anforderungen an den öffentlich-rechtlichen Rundfunk geändert haben und daher der ORF-Auftrag anzupassen ist, und – im Anschluss daran – wie die Finanzierung des ORF auf neue Beine gestellt werden kann (zum Beispiel in Form einer geräteunabhängigen Haushaltsabgabe).

Insofern wünsche ich mir als ORF-Generaldirektor also einen offenen Denker, der den Mut hat, mit bisherigen Konventionen zu brechen.

Gernot Fischer, Digitalradio Österreich: "Dass Radio weiter den Stellenwert bekommt, den es verdient, und deshalb eine gestärkte Radiodirektion installiert sein wird, die auch auf die neuen Technologien setzt. Ich wünsche mir außerdem, dass der ORF neuen Digitalprogrammen positiv gegenübersteht, zum Beispiel mit einem werbefreien Kinderradio."

Thomas Kralinger, Verlegerverband VÖZ: "Der ORF hat am österreichischen Medienmarkt aufgrund der Gebührenmittel von rund 600 Millionen per anno eine Sonderstellung. Diese Sonderstellung wird zu einem Wettbewerbsvorteil, wenn der ORF sich abseits des öffentlich-rechtlichen Informationsauftrages auf kommerzielle Spielwiesen begibt. Gerade in der digitalen Welt verschwimmen die Grenzen zwischen öffentlich-rechtlichen Angeboten und den Portalen von Zeitungen und Magazinen immer mehr. Daher brauchen wir klar formulierte rechtliche Rahmenbedingungen, also seitens des Gesetzgebers einen fairen normativ geregelten Interessenausgleich zwischen privaten Medienanbietern und öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten.

Ich wünsche mir, dass der Weg der Kooperation mit den österreichischen privaten Medientreibenden deutlich offensiver beschritten wird, kommerzielle Aktivitäten, die nicht mit dem öffentlich-rechtlichen Informationsauftrag in Verbindung stehen, unterbleiben und nicht wie in der Vergangenheit die rechtlichen Grenzen des ORF-Gesetzes nicht nur ausgetestet, sondern auch häufig überschritten werden und dies nur geringfügig sanktioniert wird."

Johanna Tradinik, Bundesjugendvertretung: "In erster Linie wünschen wir uns klarerweise einen ORF, der Programm mit und für Kinder und Jugendliche macht. Und damit ist nicht gemeint, das Nachmittagsprogramm mit eingekauften US-Serien zuzukleistern. Wir wollen, dass Jugendliche im ORF ihren Platz haben und sichtbar sind. Wir wollen Jugendliche in Diskussionen sehen, in Nachrichten, in Magazinen. Nicht nur als Objekt sondern auch als Gestalter und Experten. Inhaltlich wäre es wichtig, dass Informationen so aufbereitet werden, dass Kinder und Jugendliche damit etwas anfangen können. Es wäre außerdem wünschenswert, wenn das Programm auch die Vielfalt unserer Gesellschaft widerspiegeln würde. Wir denken da an Programme für und mit Kindern und Jugendlichen mit Behinderung, oder fremdsprachiges Kinderprogramm."

Michael Straberger, Werberat: "Die konsequente Umsetzung des ORF bei Stopp-Sprüchen des Werberats ist ein starkes Vorbild für die Branche. Wir wünschen uns weiter diese gute Basis und viele gemeinsame Projekte zur Stärkung der Selbstregulierung der Österreichischen Werbewirtschaft.

Wir wären sehr froh über eine breitere Informationspräsenz zum Thema Werbeethik, einer Thematisierung und Diskussion von Verstößen und den vielfachen Maßnahmen der Werberats für Konsumenten und Werbebranche."

Peter Lammerhuber, GroupM Austria: "Es ist nicht so sehr die Frage, was sich die Werbewirtschaft von einem künftigen Generaldirektor wünscht, sondern was man ihm wünschen soll.

Einem neuen Generaldirektor kann man in jedem Fall nur 'Fortune' wünschen. Nachdem die Fragmentierung im Mediabereich lustig weitergeht, braucht ein Medienmanager eine gute Hand für das Programm.

Das ist das, was sich auch die Werbeindustrie wünscht, weil nur gutes Programm liefert entsprechende Quoten."

Eva Spreitzhofer, Drehbuchautorin: "Eine größere Bandbreite von beauftragten Kreativen und Firmen. Die Ausstrahlung unserer Filme im Hauptabendprogramm. Verstärkte Einbindung der AutorInnen in den Produktionsprozess, nach dem Vorbild der Show Runner." (ae, omark, prie, 2.8.2016)

  • Georg Riha.
    foto: standard/urban

    Georg Riha.

  • Christoph Becher.
    foto: apa/hans punz

    Christoph Becher.

  • Corinna Drumm.
    foto: verein österreichischer privatsender

    Corinna Drumm.

  • Gernot Fischer.
    foto: apa/georg hochmuth

    Gernot Fischer.

  • Thomas Kralinger.
    foto: kurier/jeff mangione

    Thomas Kralinger.

  • Johanna Tradinik.
    foto: bjv/daniel novotny

    Johanna Tradinik.

  • Michael Straberger.
    foto: werberat/schiffl

    Michael Straberger.

  • Peter Lammerhuber.
    foto: apa/georg hochmuth

    Peter Lammerhuber.

  • Eva Spreitzhofer.
    foto: standard/newald

    Eva Spreitzhofer.

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