Papst: Kommission soll Frauendiakonat studieren

2. August 2016, 15:58
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Expertengremium untersucht Rolle der Frauen in der frühen Kirche

Vatikanstadt/Wien – Papst Franziskus hat möglicherweise einen ersten Schritt zur Zulassung der Frauenordination in der katholischen Kirche gesetzt. Er hat eine zwölfköpfige Expertenkommission bestellt, die sich mit der Geschichte des Frauendiakonats befassen soll, teilte der Vatikan am Dienstag laut Kathpress mit. Der Kommission gehört auch die Wiener Theologieprofessorin Marianne Schlosser an.

Die zwölfköpfige Kommission könnte nach Ansicht von Experten historische Argumente für eine Zulassung von Frauen zum Diakonat liefern. Franziskus hatte die Kommission im Mai bei einer Audienz für Ordensfrauen angekündigt. Nachdem es Spekulationen über die Tragweite dieser Ankündigung gegeben hatte, betonte der Papst Ende Juni, der Schwerpunkt der Expertenarbeit solle auf historischen Fragen liegen.

Vorerst keine Diakoninnenweihe

Genauere Angaben zu Aufgabenstellung und Arbeitsweise der Kommission machte der Vatikan nicht. Die Studienkommission zu Diakoninnen soll nicht die eventuelle Zulassung von Frauen zur Diakonenweihe prüfen, sondern untersuchen, welche Aufgaben Diakoninnen in der frühen Kirche hatten, hatte der Papst im Juni auf dem Rückweg von Armenien klargestellt.

Diakone haben in der Kirche zahlreiche Aufgaben, vor allem im sozialen Bereich, der Seelsorge und der Gemeindearbeit. Sie stehen in der katholischen Hierarchie eine Stufe unter dem Priester. Das Diakonat ist ein Weiheamt, die nächsthöheren Stufen sind der Priester und der Bischof. Seit der Erneuerung des Amtes im Zweiten Vatikanischen Konzil in den Sechzigerjahren können auch verheiratete Männer zum Diakon geweiht werden.

Erzbischof leitet Kommission

Die Kommission solle die Rolle der Diakoninnen in der frühen Kirche untersuchen, hielt Franziskus fest. Zugleich sagte er, dass ihm die Funktion, die eine Frau innehabe, weniger wichtig sei als ihr Denken. Geleitet wird die Kommission vom Sekretär der Glaubenskongregation, Erzbischof Francisco Ladaria.

Für eine Zulassung von Frauen zum Diakonat hatte sich unter anderem das Internationale Diakonatszentrum in Rottenburg ausgesprochen. Das durch Weihe übertragene katholische Amt ist bisher Männern vorbehalten, die anders als Priester auch verheiratet sein dürfen. Angesichts des Priestermangels werden Diakone vermehrt zur Abhaltung von Gottesdiensten herangezogen, sie dürfen aber keine Sakramente spenden.

Johannes Paul II. war gegen Reformen

Die Zulassung von Frauen zum Priesteramt, eine Forderung von Reformbewegungen wie dem "Kirchenvolksbegehren", wird vom Vatikan strikt abgelehnt. Papst Johannes Paul II. hatte diese Position im Jahr 1994 mit dem Apostolischen Schreiben "Ordinatio sacerdotalis" (Die Priesterweihe) einzementiert. Er begründete den Ausschluss von Frauen damit, dass Glaubensgründer Jesus Christus allesamt Männer zu seinen Aposteln berufen habe. (APA, 2.8.2016)

  • Papst Franziskus mit Anhängerinnen in einem römischen Pflegeheim
    foto: apa/afp/ho/vincenzo pinto

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