Der Deutschkreutzer Bürgermeister der Bürgermeisterliste

3. August 2016, 09:00
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Seit 2002 regiert Manfred Kölly in Deutschkreutz. Seit 2010 sitzt der einstige FPÖler für die Liste Burgenland im Landtag

Deutschkreutz – Fragt man Manfred Kölly, was er lieber sei – "Bürgermeister oder Landtagsabgeordneter?" – dann überlegt er zwar, aber nur kurz: "Bürgermeister." Denn da ließe sich, sagt er, viel unmittelbarer gestalten, tun, in die Wege leiten, Bündnisse schmieden. Und dann fängt er an zu erzählen, wie das bei ihm daheim in Deutschkreutz – quasi der Hauptstadt des mittelburgenländischen Blaufränkischlandes – so ablaufe.

Dort ist Kölly seit 2002 Bürgermeister. Im Gemeinderat allerdings hat er keine automatische Mehrheit hinter sich. Die muss er sich jeweils erstreiten. Nicht immer gelingt das. Im Vorjahr zum Beispiel hat der Gemeinderat mit rot-schwarzer Mehrheit dem früheren FP-Bürgermeister die Zustimmung versagt zu einer Flüchtlings-Erstanlaufstelle im alten Zollgebäude.

Postenschacher

Manfred Kölly ist eine Art Urgestein der burgenländischen Kommunal- und Landespolitik. Seit 1992 sitzt er im Deutschkreutzer Gemeinderat, seit 2000 im burgenländischen Landtag. Beides tat er für die FPÖ, für die er 2002 auch den Bürgermeister machte.

2006 stolperte er allerdings über ein von ihm und dem SP-Landesgeschäftsführer Georg Pehm unterzeichnetes Papier, wonach im Fall einer roten Wahlniederlage die blaue Zustimmung zu einem roten Landeshauptmann mit landesnahen Posten erkauft werden würde.

Die SPÖ holte 2005 allerdings die Absolute. Der Deal war somit hinfällig. Und Kölly fällig. Er wurde aus der Partei ausgeschlossen wegen "Postenschacherei". Bis heute beteuert er, nicht er habe die Sache ausgehandelt, "sondern Norbert Hofer als damaliger Klubdirektor und Martin Ivancsics, Niessls Büroleiter".

Listengründung

Nach seinem Ausschluss tat er sich mit Wolfgang Rauter, dem einstigen FP-Landeschef, zusammen. Gemeinsam starteten sie das Projekt Liste Burgenland (LBL). Knappest kam Kölly 2010 in den Landtag. Fünf Jahre später errang man zwei Mandate. Eine ideologiefreie Politik wolle man machen, orientiert an der Sache also, ganz so, wie es in den Dörfern üblich wäre.

Tatsächlich hat sich seither das Projekt gemausert. Neben Kölly sitzt mit Gerhard Hutter der Bürgermeister von Bad Sauerbrunn im Landtag, dessen Liste als grünaffin gilt. Der Parndorfer Bürgermeister Wolfgang Kovacs war einst ein Kommunist. Erich Stekovics, der "Kaiser der Paradeiser", kam zuletzt in Frauenkirchen auf ein Viertel der Wählerstimmen. Insgesamt, sagt Kölly, "haben wir zur Zeit fünf Bürgermeister".

Kommunale Tragfläche

Die kommunale Basis trägt im kleinen Burgenland auch auf Landesebene ganz gut. Ob es weiter hinaus tragen kann, ist ungewiss. Kölly, der 2008 bei der Nationalratswahl für die eher unerfolgreiche "Liste Fritz Dinkhauser" angetreten ist, will es probieren. "Es gibt schon erste Vernetzungen."

Das nächste Ziel sind freilich die Kommunalwahlen 2017. In 50 Gemeinden will man vertreten sein, 100 Mandatare wünscht man sich. Die Landesorganisation – "Wir sind ja ein Bündnis, keine Partei" – verstehe sich dabei "eher als ein Dach". Und unter dem sei dann ein jeder weiterhin sein eigener Herr. (Wolfgang Weisgram, 3.8.2016)

  • Manfred Kölly sucht mit seiner Liste Burgenland den direkten Weg von der Kommunal- zur Landespolitik. Das zwingt zuweilen zu waghalsigem Kurven.
    apa/robert jäger

    Manfred Kölly sucht mit seiner Liste Burgenland den direkten Weg von der Kommunal- zur Landespolitik. Das zwingt zuweilen zu waghalsigem Kurven.

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