Leukämie: Grazer Wissenschafter wollen Zellwachstum hemmen

2. August 2016, 15:37
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In einer Studie zeigte sich, dass der Verlust des Proteins RKIP an der Entartung von Blutstammzellen mitwirkt

Graz – Die akut myeloische Leukämie (AML) ist eine hoch aggressive Form des Blutkrebses, bei der es zu einer massiven Vermehrung von Zellen und Zellvorstufen im blutbildenden System kommt. Mitverantwortlich ist der Verlust des Protein-RKIP. Wissenschafter der Med-Uni Graz haben nun einen Mechanismus gefunden, der den Tumorsuppressor RKIP reguliert.

Blutzellen haben eine begrenzte Lebensdauer und müssen dynamisch erneuert werden. Zuständig dafür sind die Blutstammzellen im Knochenmark. Sie dürfen sich jedoch nur in dem Maß zu neuen Zellen ausformen, wie Blutzellen absterben. Das wird durch verschiedene körpereigene Signale gesteuert. Dabei leiten Botenstoffe, die an der Zellmembran andocken, das Wachstums- oder Teilungssignal über mehrstufige Signalwege an den Zellkern oder das Zytoplasma weiter. Die Signalwege werden je nach Bedarf an- und ausgeschaltet: Signalübermittlung findet normalerweise nur statt, wenn die Zelle von außen stimuliert wird.

"Durch Veränderungen des Erbmaterials kann es vorkommen, dass der Signalpfad nicht mehr ausgeschaltet wird und sich die betroffenen Zellen ungebremst vermehren beziehungsweise teilen, ohne sich dabei zu funktionstüchtigen Blutkörperchen zu entwickelt", sagt Armin Zebisch, der Leiter der Forschungsgruppe "Signal Transduction in Myeloid Malignancies" an der Med-Uni Graz. Unter den vielen Signalwegen, die man bei der AML bereits kennt, scheint dem sogenannten RAS-MAPK/ERK-Pfad und seiner Aktivierung eine besondere Bedeutung zuzukommen. Bei mehr als der Hälfte aller AML-Patienten ist dieser Pfad ständig aktiviert, wie die Grazer Forscher bereits in früheren Untersuchungen zeigen konnten.

Wachstum von Tumorzellen bremsen

Vor rund fünf Jahren haben Hämatologen der Medizinischen Universität Graz im internationalen Forschungsverbund entdeckt, dass das Protein RKIP den Signalweg hemmt. Dieses wacht als sogenannter Tumorsuppressor darüber, dass der Organismus von krebsartiger Entartung verschont bleibt. Wie sich in Untersuchungen herausstellte, ist es bei rund einem Fünftel der AML-Patienten, die an den Folgen einer massiven Vermehrung unreifer Zellvorstufen im Knochenmark und im Blut leiden, nicht vorhanden.

Stefan Hatzl von der Doctoral School Molecular Medicine and Inflammation an der Med-Uni Graz hat gemeinsam mit Partnern aus Innsbruck, Wien, München und Rotterdam in Zellproben von 400 AML-Patienten nach der Ursache für den Protein-Verlust gesucht. Dabei ist man auf ein sogenanntes microRNA-Molekül namens miR-23a gestoßen. "microRNAs sind kleinste RNA-Stücke, welche die Expression verschiedenster Gene regulieren", erklärt Hatzl.

In Zellkulturen haben die Wissenschafter gezeigt, dass durch eine künstliche Erhöhung von miRNA-23a in den Leukämiezellen die RKIP-Expression verringert wurde: Die Tumorzellen wuchsen stärker. Durch eine künstliche Blockade von miR-23a habe sich hingegen das Wachstum der Leukämiezellen verlangsamt. In weiteren Studien wollen die Forscher nun versuchen, den durch die miRNA-Blockade erzielten Effekt auf Leukämiezellen auch therapeutisch zu nutzen. So ist daran gedacht, die bei der AML verwendeten Chemotherapeutika durch die künstliche Blockade der miRNA zu optimieren. (APA, 2.8.2016)

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