Nneka Egbuna: Großes Drama, großes Herz

2. August 2016, 15:20
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Die Hamburger Sängerin gastiert bei den Afrika-Tagen und in Dornbirn. Sie bringt Soul, Reggae und Kritik

Wien – Begonnen hat alles mit dem "Verlust" der Heimat: Nneka Egbuna kommt 1981 als Tochter eines Nigerianers und einer Deutschen im nigerianischen Warri, einer Stadt im Nigerdelta, zur Welt. Mit 18 übersiedelt sie nach Hamburg, wo die junge Frau zuerst an Heimweh und Einsamkeit leidet. Um den Schmerz zu lindern, begann Nneka zu rappen, ab 2003 arbeitete sie mit dem Produzenten DJ Farhot zusammen.

Nicht nur weil ihr Vater in Nigeria geblieben war, liegt ihr der schwarze Kontinent am Herzen. Sie singt mit sanfter Stimme und in ihrer Muttersprache Englisch von den alltäglichen Problemen in Afrika, will gegen Unterdrückung und soziale Missstände ankämpfen. Wie etwa die Ausbeutung der Rohstoffe ihrer Heimat durch westliche (Öl-)Konzerne, die auch ihren Teil zur herrschenden Gewalt und Korruption im Land beitragen.

Genau wie ihren musikalischen und spirituellen Vorbildern Fela Kuti und Bob Marley geht es Nneka um Gerechtigkeit und Moral. Überhaupt Fela Kuti: Er ist der bekannteste Musiker des postkolonialen Afrika, sein Stilmix aus westafrikanischem Highlife, Jazz und James-Brown-Funk hatte und hat unter dem Label Afrobeat nachhaltigen Einfluss auf die globale Popkultur. Kein Wunder also, dass Nneka in ihre musikalische Melange neben Soul, Hip-Hop, Dub und Reggae auch Afrobeat einbaut.

Von Stilschubladen will sie sich ohnehin nicht einengen lassen: Von Bob Marley über Neneh Cherry bis Erykah Badu reicht der Referenzrahmen. Nnekas Eigenwilligkeit lässt sich noch an einem anderen Fakt belegen: Das zweite Album No Longer At Ease (2008) fiel weitaus zorniger und erbitterter aus als ihr Debüt – nicht gerade typisch im Musikgeschäft. Die folgende Platte, Soul Is Heavy (2011), bietet noch einmal ein größeres Spektrum an Stilen und Stimmungen; zu den erwähnten kommen etwa Disco, Flamenco und Desert Blues dazu.

Stimmlich hat die Wahlhamburgerin das große Drama im Repertoire: Vom zarten, fein gehauchten Flüsterklang kann sie urplötzlich zur kraftvollen Rockröhre mutieren. Zuletzt erschien My Fairy Tales (2015), übermorgen am Freitag gastiert Nneka im Rahmen der Afrika-Tage in Wien, am kommenden Montag dann beim Poolbar im Ländle. (Gerhard Dorfi, 2.8.2016)

5. 8.: Konzert bei den Afrika-Tagen, Donauinsel, 20.30

8. 8.: Poolbar in Feldkirch, Altes Hallenbad / Halle, 21.00

  • Von der Rapperin zur vielseitigen Liedermacherin: Nneka Egbuna hat musikalisch wie geografisch  weite Wege zurückgelegt. Zuletzt ist ihr drittes Album  "My Fairy Tales" erschienen.
    foto: hugues lawson body

    Von der Rapperin zur vielseitigen Liedermacherin: Nneka Egbuna hat musikalisch wie geografisch weite Wege zurückgelegt. Zuletzt ist ihr drittes Album "My Fairy Tales" erschienen.

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