Je geringer der Selbstwert, desto schlechter die Beziehung

2. August 2016, 13:30
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Das Selbstwertgefühl trägt zu Erfolg und Misserfolg in der Partnerschaft bei, haben Psychologen herausgefunden

Bern – Der Selbstwert entwickelt sich prozesshaft über Jahre: Üblicherweise ist er im Alter von zwischen 50 bis 60 Jahren am höchsten. Unklar war bislang, welche Ereignisse dazu führen, dass manche Menschen besonders positive Veränderungen beim Selbstwertgefühl erleben, während bei anderen der Entwicklungsverlauf weniger positiv ist.

Ein maßgeblicher Faktor sind die Erfahrungen in Partnerschaften, wie Forscher vom Institut für Psychologie der Uni Bern in einer dreijährigen Studie mit über 9.000 Probanden im Alter von 15 bis 37 Jahren herausgefunden haben. Demnach beeinflusst sowohl der Beginn einer Partnerschaft als auch eine Trennung das Selbstwertgefühl. Das heißt konkret: Der Selbstwert steigerte sich, wenn die Partnerschaft mindestens ein Jahr lang andauerte. Im Gegensatz dazu veränderte eine kurze Partnerschaft von geringer Beziehungsqualität das Selbstwertgefühl nicht.

Ein weiteres Ergebnis: Das Ende einer Beziehung hatte keine langfristigen Auswirkungen auf den Selbstwert. "Erfreulicherweise führten Trennungen nur zu vorübergehenden Verringerungen im Selbstwertgefühl. Typischerweise hatte sich das Selbstwertgefühl bereits ein Jahr nach der Trennung wieder erholt", sagt Studienleiterin Eva Luciano.

Hoher Selbstwert führt zu Zufriedenheit in der Beziehung

Den Forschern zufolge sei das Selbstwertgefühl jedoch nicht nur eine Folge von Erfahrungen in Partnerschaften, sondern auch eine Ursache für das Gelingen bzw. Scheitern von Beziehungen. So gingen Singles, die zu Beginn der Studie ein hohes Selbstwertgefühl hatten, mit größerer Wahrscheinlichkeit eine Partnerschaft ein. Bei Probanden, die in einer Partnerschaft waren, kam es häufiger zu einer Trennung, wenn sie zu Beginn der Studie ein niedriges Selbstwertgefühl hatten.

"Während ein hohes Selbstwertgefühl die Beziehungszufriedenheit fördert und die Häufigkeit und Intensität von Beziehungskonflikten reduziert, führt ein niedriges Selbstwertgefühl zu einer schlechteren Beziehungsqualität und so im Extremfall dazu, dass die Beziehung zerbricht", erklärt Luciano.

Frühere Studien zeigen außerdem, dass nicht nur das eigene Selbstwertgefühl die Zufriedenheit in einer Partnerschaft beeinflusst. So neigen Personen mit niedrigem Selbstwertgefühl beispielsweise dazu, eine übertriebene Bestätigung beim Partner zu suchen, oder sich in schwierigen Situationen zu sehr oder vorschnell vom Partner zurückzuziehen. Ist das Selbstwertgefühl hoch, steigt häufig auch die Fähigkeit, den Partner oder die Lebensgefährtin emotional zu unterstützen. Dadurch werde wiederum die Partnerschaft gestärkt, so die Studienautoren.

Eine Heirat ändert nichts

Die Forscher konnten aber kein Zusammenhang zwischen Heirat und Selbstwertgefühl ermitteln. Durch die Heirat kam es zu keiner Veränderung im Selbstwertgefühl. Umgekehrt hatte das Selbstwertgefühl auch keinen Einfluss darauf, ob Personen heirateten oder nicht. "Für das Selbstwertgefühl der heutigen jungen Erwachsenen scheint die Erfahrung des Beginns einer Partnerschaft weitaus wichtiger zu sein als die formale und rechtliche Anerkennung dieser Beziehung durch die Heirat", resümiert Luciano. (red, 2.8.2016)

  • Studien haben gezeigt: Menschen mit niedrigem Selbstwertgefühl tendieren dazu, eine übertriebene Bestätigung beim Partner zu suchen, oder sich in schwierigen Situationen zu sehr oder vorschnell vom Partner zurückzuziehen.
    foto: apa/dpa/jan-philipp strobel

    Studien haben gezeigt: Menschen mit niedrigem Selbstwertgefühl tendieren dazu, eine übertriebene Bestätigung beim Partner zu suchen, oder sich in schwierigen Situationen zu sehr oder vorschnell vom Partner zurückzuziehen.

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