Knappe Quartiere in Rio: Auch die Sadomaso-Suite ist ausgebucht

2. August 2016, 12:15
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In Rio de Janeiro gibt es während der Olympischen Spiele viel zu wenig Unterkünfte. Stundenhotels geben daher gerne Quartier – zum Normaltarif versteht sich

Das olympische Dorf für tausende Athleten aus aller Welt ist doch noch rechtzeitig vor Beginn der Olympischen Sommerspiele in Rio de Janeiro fertig geworden. Kopfzerbrechen aber bereitet der Stadt, wo sie die erwarteten 500.000 Olympia-Touristen unterbringen soll. In ihrer Not hat sie fantasievolle Lösungen gefunden: Neben Zimmern in Favelas bietet sie nun auch Übernachtungen in Stundenhotels an.

Als Rio im Jahr 2009 den Zuschlag für die Olympischen Sommerspiele erhielt, verfügte es über 30.000 Hotelzimmer. Heute sind es 56.500, 5.500 weniger als geplant. Dass das Ziel verfehlt wurde, sei Ausdruck der tiefen Krise in Brasilien, betonte der Chef des brasilianischen Hotelverbands, Alfredo Lopes. Doch selbst wenn das Ziel erreicht worden wäre, hätten die Hotels nicht alle Gäste unterbringen können.

Über 60.000 wohnen privat

Findige Einwohner nutzen deshalb die Zimmerknappheit für eigene Geschäftsmodelle: Neben Nächtigungsangeboten bei Privatleuten etwa über den Community-Marktplatz Airbnb, über den bereits mehr als 66.000 Rio-Reisende fündig geworden sind, können wagemutigere Touristen auch ein Zimmer in den von der Polizei für sicher erklärten Favelas über der Copacabana buchen. Ein oftmals atemberaubender Blick über die Stadt entschädigt sie für einen atemraubenden Aufstieg und die etwas größere Gefahr, überfallen zu werden.

"Der Aufstieg, die Hütten, die Bewohner, das alles hat mich am ersten Tag schon ein wenig nervös gemacht", berichtete der 48-jährige argentinische Tourist Marcelo Luis Pirelli, der nun im Green Culture Hostel übernachtet. "Aber schon nach einem Tag fühlt man sich wie zu Hause." Die Übernachtung in der Herberge kostet pro Bett umgerechnet knapp 50 Euro – selbst im Slum von Chapeu Mangueira explodieren während Olympia die Preise.

Normalpreis im Stundenhotel

Nur in den Stundenhotels bleiben sie unverändert – ein Umstand, auf den der Vizechef ihres Verbands in Rio, Antonio Cerqueira, gern hinweist. "Alle Hotels haben ihre Preise erhöht, nur wir bieten unsere üblichen Tarife an", betonte Cerqueira, der selbst im Hafenviertel von Rio ein sogenanntes Liebeshotel unterhält. Nach seinen Angaben kosten zwölf Stunden zwischen 90 und 335 Euro.

5.000 der insgesamt 22.000 Zimmer in Rios 182 Stundenhotels stehen normalen Übernachtungsgästen zur Verfügung, so Cerqueira – für Preise, die "bis zu 70 Prozent" unter den Tarifen der normalen Hotels liegen. Die 87 Zimmer seiner Villa Regina sind während der Olympischen Spiele vom 5. bis 21. August komplett ausgebucht.

Versailles oder Sadomaso

Für seine Olympia-Gäste stellt Cerqueira selbst seine beliebtesten Themen-Suiten zur Verfügung – die goldverzierte Versailles-Suite, die mit Starfotos verzierte Hollywood-Suite sowie für ausgefallenere Geschmäcker die Sadomaso-Suite mit schwarzen Wänden, einem mit Nieten beschlagenen Lederbett, Ketten und einem Käfig, der von der Decke hängt.

Andere Stundenhotels passten ihre Einrichtung dagegen eigens dem Geschmack gewöhnlicher Touristen an: Runde Betten wurden ausgetauscht, Deckenspiegel entfernt, sogenannte Erotikstühle durch normale Sessel ersetzt. (APA, saum, 2.8.2016)

  • Stundenhotels in Rio machen ihre Zimmer für Olympia-Touristen bezugsfertig, darunter die Sadomaso-Suite in der Villa Regina. Muss man nur noch die passende Lektüre einpacken.
    foto: apa / jens kalaene

    Stundenhotels in Rio machen ihre Zimmer für Olympia-Touristen bezugsfertig, darunter die Sadomaso-Suite in der Villa Regina. Muss man nur noch die passende Lektüre einpacken.

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