Nach Stress mit der Aufsicht machen Anleger Druck auf Raiffeisen

1. August 2016, 22:32
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Kreditinstitute, bei denen der Stresstest Kapitallücken aufgezeigt hat, mussten an den Börsen herbe Kursverluste einstecken. Auch Raiffeisen und UniCredit

London/Wien – Der Montag begann eigentlich gut aus Bankensicht. Investoren reagierten zuversichtlich auf die Stresstestergebnisse, die die Europäische Bankenaufsicht EBA Freitagabend veröffentlicht hatte. Doch im Tagesverlauf verschlechterte sich der Eindruck, und die Bankenwerte sackten ab. Lediglich einen Gewinner gab es unter den Titeln: Monte dei Paschi, das Schlusslicht der getesteten Geldinstitute. Der vorgelegte Rettungsplan hat Anleger wieder zugreifen lassen.

Besonders unter die Räder kamen die Aktien der Raiffeisen Bank International (RBI), die am Vormittag an der Wiener Börse knapp zehn Prozent verloren. Im Tagesverlauf wurde ein Teil der Verluste zwar wieder wettgemacht, mit einem Minus von 5,04 Prozent stand RBI aber an der Spitze der Flops im Leitindes ATX.

Schwache Ausgangslage

Die Bank wird mehrheitlich von der Raiffeisen Zentralbank kontrolliert, die als Gruppe dem Stresstest unterzogen wurde und den drittletzten Platz belegte. Die harte Kernkapitalquote des Finanzkonzerns – Grundkapital und einbehaltene Gewinne werden dabei in Relation zu den risikogewichteten Aktiva gesetzt – würde in einem mehrjährigen Rezessionsszenario von 10,2 auf 6,12 Prozent fallen, hat die EBA errechnet. Die Reduktion entspricht zwar der des Durchschnitts europäischer Banken, allerdings war die Ausgangslage der RZB ziemlich schwach.

Der RBI-Kurseinbruch hat ziemlich überrascht. Vorstände des Instituts rückten aus, um Investoren zu beruhigen. Seit dem Stichtag 31. 12. 2015 seien schon mehrere Maßnahmen zur Kapitalaufbesserung erfolgt, so der Tenor, und weitere sollen folgen. Vom Verkauf der polnischen Polbank erwarten sich die Raiffeisen-Banker einen Anstieg der Kapitalquote um einen Prozentpunkt. 0,4 Prozentpunkte sollen durch die Fusion der RBI mit der RZB hinzukommen. Über den Plan soll im September entschieden werden.

Je riskanter, desto höher der Puffer

Ein Teil der Nervosität am Markt dürfte daher rühren, dass eine Eigenkapitalquote von 6,2 Prozent bedeutet, dass die RBI die Vorgaben der Finanzaufseher im Stresstestszenario unterschreiten würde. In Europa wurden in den vergangenen Jahren die Vorgaben für Banken, was das Eigenkapital betrifft, deutlich verschärft. Aktuell gilt, dass eine Bank 4,5 Prozent hartes Kernkapital halten muss. Unterschreitet eine Bank diese Mindestanforderung, droht ihr die Abwicklung, also Zerschlagung, durch die Aufsicht. Die RBI bleibt auch im Stressszenario deutlich über dieser Marke.

Neben dieser Basisanforderung gibt es von den Aufsehern aber individuelle Vorgaben, wie viel zusätzliche Eigenmittel jede Bank halten muss. Je riskanter das Geschäftsmodell eines Kreditinstitutes, umso höher müssen die vorgeschriebenen Risikopuffer sein.

RBI braucht zehn Prozent

Im Fall der RBI hat die Aufsicht zuletzt einen Eigenmittelanteil von knapp über zehn Prozent verlangt. Diese Quote hat die Raiffeisen im Stressszenario unterschritten. Wenn die Risikopuffer aufgebraucht sind, kann die Aufsicht bei der Europäischen Zentralbank (EZB) betroffenen Instituten untersagen, Dividenden und Boni auszuschütten. Keine angenehme Situation für eine Bank und Aktionäre.

Das Stresstestergebnis habe wie erwartet klargemacht, dass die Raiffeisen-Gruppe mit Schwierigkeiten kämpft, sagt der Bankenanalyst Sam Theodore von der Ratingagentur Scope. "Allerdings würde ich nicht so weit gehen und sagen, die Menschen sollten sich Sorgen machen." Die Risikopuffer seien deshalb vorgeschrieben worden, damit sie im Krisenfall aufgezehrt werden, so Theodore. Raiffeisen müsse sich in den kommenden Jahren "effizienter" aufstellen, etwa ihre Geschäftsfelder weiter einschränken, darauf dränge die EZB aber ohnehin bereits.

Turbulent verlief der Montag auch für andere Banken, die im Stresstest durchwachsene Ergebnisse erzielten. Die Aktienkurse der Bank Austria Mutter Unicredit sackten in Mailand um 9,4 Prozent ab. Zuvor war der Handel mit den Papieren ausgesetzt worden. (as, szi, 2.8.2016)

  • Ein Bild aus einfacheren Tagen: RZB-Chef Walter Rothensteiner im April 2005 bei einer Präsentation des damals geplanten Börsengangs der RBI. RBI-Aktien gerieten am Montag neuerlich unter Druck.
    foto: reuters / prammer

    Ein Bild aus einfacheren Tagen: RZB-Chef Walter Rothensteiner im April 2005 bei einer Präsentation des damals geplanten Börsengangs der RBI. RBI-Aktien gerieten am Montag neuerlich unter Druck.

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