Wiener Grätzelpolizisten: Polizeiarbeit weiterdenken

Kommentar1. August 2016, 18:01
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Ein Draht zu den Communitys sollte längst selbstverständlich sein

Seit Montag sind in Wien "Grätzelpolizisten" im Einsatz. Sie sollen das subjektive Sicherheitsgefühl der Bevölkerung verbessern. Dass die "Sicherheitsbürger" vom Tisch sind, ist gut. Die Kritik daran war berechtigt: Sie reichte von der Befürchtung, Denunziantentum zu fördern, bis zu jener, dass sich Bürgerwehren angespornt fühlen könnten. Bei den Grätzelpolizisten besteht diese Gefahr nicht. Den Job werden ausgebildete Polizeibeamte machen. Das neue Konzept geht aber nicht weit genug.

So sollen Grätzelpolizisten "Ansprechpartner" sein und "Ängste proaktiv aufarbeiten", wie es die Polizei kommuniziert. Aber in der Praxis läuft das wohl darauf hinaus, dass man einen Grätzelpolizisten kontaktieren kann, wenn einem etwa eine dunkle Straßenecke nicht geheuer ist. Was ist daran neu? Das ist Kosmetik, denn das konnte man bisher schon – etwa bei einer Polizeiinspektion oder beim Bürgerdienst. Grätzelpolizist klingt nur neu.

Was stattdessen notwendig ist, ist zum einen die lang geforderte Diversität bei der Exekutive, die jene in der Bevölkerung widerspiegelt, und zum anderen ein guter Draht zu allen Bevölkerungsgruppen: nicht nur zu jenen, die sich subjektiv unsicher fühlen, sondern auch zu Randgruppen. Und vor allem zu jenen, die tatsächlich in Gefahr sind oder potenziell straffällig werden könnten. Für Prävention braucht es gute Polizeiarbeit. Und dafür sollte ein Draht zu den Communitys schon längst selbstverständlich sein. (Christa Minkin, 1.8.2016)

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