Zuwanderer fallen am Arbeitsmarkt immer weiter zurück

1. August 2016, 18:11
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90 Prozent jener, die 2015 Asylstatus erhielten, sind ohne Job

Wien – Die Eingliederung von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt gestaltet sich schwierig. Von den 9520 Personen, die im Vorjahr einen Asylstatus erhielten und sich beim Arbeitsmarktservice meldeten, waren Ende Juni nur 957 beschäftigt. Anders ausgedrückt: 90 Prozent der Flüchtlinge fanden keinen Job. In Summe sind derzeit gut 25.000 Asylberechtigte beim AMS vorgemerkt, zwei Drittel davon in Wien. Syrer sind mittlerweile die größte Gruppe mit 44 Prozent, deutlich vor Afghanen (18 Prozent) und Russen (zwölf Prozent; überwiegend aus Tschetschenien).

Unter den arbeitslosen Flüchtlingen gibt es dreimal so viele Männer (18.892) wie Frauen (6276). Für den Arbeitsmarktexperten am Institut für Höhere Studien, Helmut Hofer, sind die Zahlen keine große Überraschung. Es suchten Personen mit teilweise geringen Qualifikationen und schlechten Deutschkenntnissen zu einem Zeitpunkt einen Job, zu dem der Arbeitsmarkt sehr angespannt sei, sagt der Experte dem Standard. Dazu kämen fehlende Netzwerke, wie sie beispielsweise Bosnier Anfang der 1990er-Jahre gehabt hätten. Aber hat das AMS den Flüchtlingen aus Syrien oder dem Irak nicht relativ gute Qualifikationen bescheinigt? Hofer ist da skeptischer: "Ein Akademiker in Syrien kann etwas anderes sein als bei uns."

Flüchtlingsstrom hinterlässt Spuren

Für Hofer sind die Flüchtlinge ausschlaggebend dafür, dass die Arbeitslosigkeit weiter steigt. Tatsächlich ist der Zuwachs der beim AMS gemeldeten Asylberechtigten größer als der aller Jobsuchenden. Auch in einer anderen Betrachtung hinterlässt der Flüchtlingsstrom seine Spuren: Während die Arbeitslosigkeit von Inländern im Juli um 1,6 Prozent zurückging, stieg er bei Ausländern um 6,3 Prozent. Jetzt würden zunehmend ausländische Beschäftigte am Arbeitsmarkt verdrängt, erklärt IHS-Mann Hofer.

Besser qualifizierte Osteuropäer würden anstelle von Türken oder Serben beschäftigt. Zum Teil würden die Jobs auch einfach wegrationalisiert oder seien von Pleiten wie jener von Zielpunkt beeinträchtigt. Hofer plädiert dafür, die Zahl der Arbeitslosen immer in Relation zu den Beschäftigten zu sehen. So stieg die Jobanzahl bei Ausländern stärker als jene bei Inländern.

Die Flüchtlinge werden den Arbeitsmarkt nach Ansicht des IHS-Experten noch länger belasten. Er verweist darauf, dass mit 25.000 Personen erst ein kleinerer Teil der gut 110.000 Personen, die seit 2015 in Österreich Asylanträge gestellt haben, beim AMS vorstellig geworden sei. Zuletzt waren laut Angaben von Eurostat immerhin noch 84.000 Asylverfahren anhängig. Einen Lichtblick gab es am Arbeitsmarkt im Juli auch: Die offenen Stellen sind um 40,8 Prozent auf 43.800 hinaufgeschnellt. (as, 2.8.2016)

  • Die Jobsuche zeigt sich für Flüchtlinge schwierig.
    foto: apa / dpa / stratenschulte

    Die Jobsuche zeigt sich für Flüchtlinge schwierig.

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