Fidschianische Olympia-Geschichte, zum Greifen nah

1. August 2016, 16:49
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Fidschis Rugby-Team will in Rio mit der ersten Olympia-Medaille Geschichte schreiben, die Fußballer haben es mit der geschafften Qualifikation schon getan

Rio – Das Highlight des fidschianischen Augusts ist eigentlich das Hibiskus-Festival. Tanz, Gesang, bunte Kostüme. Die Website nennt die neuntägige Party in der Hauptstadt Suva vollmundig die "Mutter aller Festivals".

Heuer stellt die Mutter aller Sportveranstaltungen die Mutter aller Festivals in den Schatten. Olympia statt Hibiskus, Rio statt Suva. Fidschi winkt die erste Olympia-Medaille, die Männer der Rugby Sevens sind als amtierender Sieger der Turnierserie World Rugby Sevens Series Mitfavorit auf Gold, die Frauen haben als Setznummer sieben Außenseiterchancen.

Rugby: Sie sind Helden

Das erstmals seit 92 Jahren wieder olympische Rugby ist im Inselstaat Nationalsport. Auch die Vertreter der Sevens-Variante – statt 15 Spielern stehen pro Team je sieben am Feld – werden gefeiert. Die Olympia-Kader gab der Premierminister und gleichzeitige Rugby-Verbandspräsident Frank Bainimarama live im Fernsehen bekannt.

Jarryd Haynes Name war bei der Kaderverlesung nicht dabei. Der Rugby-Superstar ist nach einem NFL-Intermezzo bei den San Francisco 49ers auch international bekannt, schaffte es aber nicht den 12-Mann-Kader. Nationalhelden können nun andere werden.

foto: ap/tony avelar
Jarryd Hayne schwenkte zu spät auf Rugby Sevens um.

Sympathie lässt sich für die Insulaner leicht aufbauen. Als vergangenen November auf einem Flug nach Brisbane eine Frau ohnmächtig wurde und die Profi-Stewards sich der Patientin zuwenden mussten, übernahmen die Rugby-Athleten prompt die Essensverteilung, inklusive Müllsammlung danach.

Fußball: Sie sind dabei

Nicht nur die Rugby-Spiele werden die Besucherzahlen des Hibiskus-Festivals anknacksen, auch das olympische Fußballturnier dürfte gute Einschaltquoten unter den rund 900.000 Bewohnern der 332 Inseln zählenden Inselgruppe garantieren.

Fidschi schaffte die Qualifikation für das olympische Turnier nicht ohne Glück, der stärkste Gegner schaltete sich selbst aus. Neuseeland hatte beim 2:0-Sieg im Semifinale gegen Vanuatu den in Südafrika geborenen Deklan Wynne eingesetzt und wurde dafür gemäß der FIFA-Regeln disqualifiziert – einige Stunden vor dem Finale.

Medaille wird es keine

Im Finale rang Fidschi Vanuatu mit 4:3 im Elfmeterschießen nieder. Also jetzt Olympia. "Viele Menschen in Fidschi haben hohe Erwartungen, die realitätsfern sind. Wir wollen eine gute Leistung abliefern und uns nicht blamieren", sagt Teamchef Frank Farina. Die Gegner sind Deutschland, Titelverteidiger Mexiko und Südkorea, Bronzemedaillengewinner von 2012.

foto: apa/epa/joel ford
Deklan Wynne: Er hätte nicht spielen dürfen, also spielt jetzt Fidschi.

Der "Star" des Teams heißt Roy Krishna, als einziger der 18 Nominierten hat er das heimische Inselreich schon verlassen. Der 28-Jährige kickt in Neuseeland bei Wellington Phoenix. Es zeichnet sich ab: Für eine Medaille wird es nicht reichen.

Aber dafür gibt es ja Rugby, wenn man Premierministerverbandspräsident Bainimarama glaubt. "Die ganze Nation betet für diese Mannschaft und diese Unterstützung wird der Schlüssel zum Erfolg bei den Olympischen Spielen", sagt er. (Martin Schauhuber, 1.8.2016)

Alles zu Olympia 2016: http://derstandard.at/Rio2016

  • Fidschis Rugby-Sevens-Herren gewannen die letzten drei internationalen Bewerbe.
    foto: apa/afp/olly greenwood

    Fidschis Rugby-Sevens-Herren gewannen die letzten drei internationalen Bewerbe.

  • Hellblaue Flagge, hellblaue Perücken: Das sind Fidschis Fans.
    foto: reuters/bobby yip

    Hellblaue Flagge, hellblaue Perücken: Das sind Fidschis Fans.

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