ORF-Wahl ohne "Staatskünstler": Keine Nachnominierungen

1. August 2016, 16:33
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Zweikampf zwischen Amtsinhaber Alexander Wrabetz und Finanzdirektor Richard Grasl

Wien – Kein Auftritt für Thomas Maurer, Robert Palfrader und Florian Scheuba vor dem Stiftungsrat. Ihre Bewerbung schickten die "Staatskünstler" zwar ab, allerdings zu spät. Und weil sich kein Stiftungsrat fand, der sie nachnominieren wollte, wird kein Spaßbewerber beim Vorsprechen am 9. August dabei sein, wenn am Küniglberg ein neuer Generaldirektor ab 2017 gewählt wird.

Nachdem Montagmittag die Nachnominierungsfrist endete, bleiben für den Job zwei ernsthafte Kandidaten. Alexander Wrabetz möchte eine dritte Amtsperiode, Finanzchef Richard Grasl diese verhindern. Weiteren Mitbewerbern werden keine Chancen eingeräumt, etwa Günter Ofner von Familia Austria, sowie zwei vertraulichen Einreichungen, bei denen es sich nach STANDARD-Infos um "Krone"-Kommentator Adrian Eugen Hollaender sowie Michael Auguri handelt.

Die weiteren Kandidaten sind – wie berichtet – der Satiriker Georg Anton und die bisher nicht öffentlich aufgetretenen Bewerber David Küblböck und Karl Maihoroff. Zusätzlich gab es zwei vertrauliche Bewerbungen.

Offene Abstimmung

Bis Freitagmittag kann jedes Mitglied des Stiftungsrats Nominierungen für das Hearing im obersten ORF-Gremium einbringen. Es ist davon auszugehen, dass dafür nur Wrabetz und Grasl genannt werden. Hearing und Wahl des Generaldirektors finden am 9. August statt. Die 35 Stiftungsräte wählen den neuen ORF-Chef in offener, nicht geheimer Abstimmung. Abgestimmt wird dabei nur über jene Bewerber, die am offiziellen Hearing teilgenommen haben.

18 Stimmen sind für eine Mehrheit notwendig. Die Mitglieder des Gremiums werden von Regierung, Parteien, Bundesländern, ORF-Publikumsrat und Betriebsrat beschickt und sind – abgesehen von wenigen Ausnahmen – in parteipolitischen "Freundeskreisen" organisiert. SPÖ und ÖVP können derzeit auf je 13 Vertreter zählen. FPÖ, Grüne, NEOS und Team Stronach haben je einen Stiftungsrat. Der von BZÖ/FPK bestellte und von der SPÖ-geführten Landesregierung verlängerte Kärntner Stiftungsrat sowie vier Unabhängige komplettieren das Gremium.

Wegen der knappen Mehrheitsverhältnisse ist der Ausgang der Abstimmung offen. Den Ausschlag dürften die Vertreter der Opposition sowie die Unabhängigen im obersten ORF-Gremium geben.

Bereits am 8. August findet eine von ORF III übertragene öffentliche Präsentation mit den Bewerbern statt.

Oppositions-Hearing

Am Dienstag gibt es hinter verschlossenen Türen eine Art inoffizielles Oppositions-Hearing. Die Stiftungsräte Wilfried Embacher (Grüne), Hans Peter Haselsteiner (NEOS) und Günter Leitold (Team Stronach) haben sich zusammengetan und treffen Wrabetz und Grasl, um mehr über deren Bewerbungskonzepte zu erfahren. (prie, APA, red, 1.8.2016)

  • Chancen auf den ORF-Chefsessel haben de facto nur Alexander Wrabetz und Herausforderer Richard Grasl.
    foto: apa/robert jaeger

    Chancen auf den ORF-Chefsessel haben de facto nur Alexander Wrabetz und Herausforderer Richard Grasl.

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