Jeder zehnte Flüchtling, der sich 2015 beim AMS meldete, hat einen Job

1. August 2016, 12:44
789 Postings

9.520 Flüchtlinge erhielten im Vorjahr eine Bleibeberechtigung und haben sich daraufhin beim AMS gemeldet. Davon hatten im Juni 10,1 Prozent einen Job

Wien – Neue Zahlen des AMS zeigen, wie langwierig sich die Integration von Flüchtlingen am Arbeitsmarkt gestalten dürfte. Von 9.520 Flüchtlingen, die im Vorjahr von den Behörden ein Bleiberecht erhalten und sich beim Arbeitsmarktservice gemeldet haben, hatten mit Stand Ende Juni 2016 957 einen Job. Das sind 10,1 Prozent. Weil die meisten zuerst Deutschkurse machen müssen, ist das nicht überraschend.

Ökonomen gehen aber davon aus, dass es bei vielen auch nach zwei, drei Kursen noch dauern wird, bis sie einen Job finden. Eine Studie aus Schweden, die den Arbeitsmarkterfolg von zwischen 1999 und 2007 zugewanderten Flüchtlingen aus Ex-Jugoslawien, Afghanistan und Somalia gemessen hat, stimmt Ökonomen nicht optimistisch. Nur 39 Prozent der Flüchtlinge gingen nach fünf Jahren einer Arbeit nach.

70 Prozent beziehen Mindestsicherung

Mit Ende Juli waren in Österreich 379.679 Menschen ohne Job. Flüchtlinge machen weniger als sieben Prozent der Arbeitslosen aus. Nur dass sie nach Erhalt einer Bleibeberechtigung derzeit nach und nach in die Arbeitslosenstatistiken fallen, sorgt aber dafür, dass die ausgewiesene Arbeitslosenzahl steigt. Knapp 8.000 Flüchtlinge mehr sind derzeit arbeitslos gemeldet als noch vor einem Jahr, die Zahl der arbeitslosen Menschen im ganzen Land hat im selben Zeitraum aber nur um 3.157 zugenommen. Unter Inländern ist sie um 2,3 Prozent gesunken.

Immer mehr Flüchtlinge absolvieren indessen AMS-Kurse. Im Juli waren es 95,9 Prozent mehr als noch vor einem Jahr. 39 Prozent der beim AMS gemeldeten Flüchtlinge nehmen derzeit an einer Schulung teil. Drei Viertel der als arbeitslos gemeldeten Migranten sind Männer, 28 Prozent sind jünger als 25. Mehr als die Hälfte von ihnen ist zwischen 25 und 44 Jahre alt. Knapp 70 Prozent der arbeitslosen Flüchtlinge beziehen die Mindestsicherung.

Mehr als 60 Prozent der derzeit beim AMS gemeldeten Flüchtlinge sind schon vor 2015 zum AMS gekommen, der Großteil stammt also nicht vom starken Flüchtlingsandrang im Herbst des Vorjahrs. (sat, 1.8.2016)

Share if you care.