Türkei bestellt Gesandten der deutschen Botschaft ein

1. August 2016, 12:59
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Erdoğan durfte nicht über Videoleinwand auf türkischer Demo in Köln reden

Ankara – Im Streit um die Pro-Erdoğan-Demonstration in Köln bestellt das türkische Außenministerium den Gesandten der deutschen Botschaft in Ankara ein. Dies sei für Montagmittag geplant, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus zuverlässiger Quelle in Ankara. Botschafter Martin Erdmann ist im Urlaub, daher nimmt der Gesandte – sein Stellvertreter – den Termin wahr.

Die türkische Regierung hatte scharfe Kritik daran geäußert, dass Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan sich am Sonntag nicht per Videoleinwand an die Demonstranten in Köln wenden durfte. "Es ist eine massive demokratische und gesetzgeberische Schande, dass Deutschland ungerecht, ungesetzlich und unfreundlich die Rede unseres Präsidenten verhindert hat", twitterte der türkische Justizminister Bekir Bozdag. "Von nun an wäre es absolut inakzeptabel, wenn Deutschland gegenüber der Türkei Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Menschenrechte und Freiheiten auch nur erwähnen würde."

Deutschland will Botschafter nicht ablösen

Deutschland will Botschafter Erdmann, trotz der jüngsten Spannungen auf seinem Posten lassen. Der Sprecher des Auswärtigen Amts, Martin Schäfer, sagte am Montag in Berlin, es gebe keine Überlegungen, den Botschafter abzuziehen. "Das wäre auch kontraproduktiv, so etwas so zu tun. Der Abbruch von Dialog und Kommunikation wäre ganz sicher nicht das richtige Mittel."

Erdoğans Sprecher Ibrahim Kalin hatte das Verbot durch das Bundesverfassungsgericht inakzeptabel genannt. Kalin hatte eine "befriedigende Erklärung" Deutschlands dafür verlangt. Der stellvertretende Ministerpräsident Numan Kurtulmus warf Deutschland vor, mit zweierlei Maß zu messen. Auch er nannte die Entscheidung inakzeptabel.

Gut zwei Wochen nach dem vereitelten Putsch in der Türkei hatten am Sonntag Zehntausende in Köln friedlich ihre Unterstützung für Erdoğan demonstriert. Zugleich feierten sie die Niederschlagung des Umsturzversuchs. Eigentlich hatten die Veranstalter der Kundgebung in Köln geplant, Erdoğan auf einer Großleinwand live zuzuschalten – dies war angesichts der aufgeheizten Stimmung aber verboten worden.

Polizei zog positive Bilanz

Nach Angaben der Polizei nahmen 30.000 bis 40.000 Menschen an der Kundgebung teil. Es gab mehrere Gegendemonstrationen. Zu den befürchteten Ausschreitungen kam es aber nicht. Die Polizei zog am Abend eine positive Bilanz. Im Einsatz waren 2.700 Beamte, auch Wasserwerfer standen bereit.

Der Kundgebungsplatz glich einem roten Meer aus türkischen Flaggen. Mit einer Schweigeminute gedachten die Teilnehmer der Opfer des Putschversuches in der Türkei sowie der Opfer der jüngsten Terroranschläge in Frankreich, Deutschland und der Türkei. Gegen Ende der Veranstaltung wurde eine Botschaft Erdoğans verlesen. In dieser lobte er, dass sich die türkische Bevölkerung den Putschisten mutig entgegengestellt habe. Er dankte auch den türkischen Bürgern, die in Deutschland auf die Straße gegangen seien. "Heute ist die Türkei stärker, als sie je vor dem 15. Juli gewesen ist", hieß es. (APA, 1.8.2016)

  • Zehntausende demonstrierten am Sonntag in Köln ihre Unterstützung für den türkischen Staatschef Erdoğan.
    foto: reuters/thilo schmuelgen

    Zehntausende demonstrierten am Sonntag in Köln ihre Unterstützung für den türkischen Staatschef Erdoğan.

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