Papst in Polen: Appelle in Zeiten des Terrors

Kommentar31. Juli 2016, 18:24
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Das katholische Kirchenoberhaupt kritisiert unterlassene Hilfeleistung

Politisch war der Polen-Besuch wohl die bisher schwierigste Reise von Papst Franziskus. Denn seit seinem Amtsantritt kritisiert das katholische Kirchenoberhaupt den europäischen Skandal unterlassener Hilfeleistung in der aktuellen Flüchtlingskrise. Und meint damit ganz entschieden auch Handlungsweisen wie jene der polnischen Regierung, die sich weigert, muslimische Flüchtlinge in nennenswerter Zahl aufzunehmen.

Somit ähnelte Franziskus' Reise zum Weltjugendtag einer schwierigen diplomatischen Mission – und die meisterte er gut. Mehrfach forderte er Polens Regierung zum Umdenken auf, womit er klar Position bezog. Dass sein Appell an Solidarität mit den Verfolgten weit glaubwürdiger als einschlägige Forderungen von EU-Seite wirkte, sollte Letzterer zu denken geben. Auch das dezidierte Schweigen des Kirchenoberhaupts im ehemaligen Konzentrationslager Auschwitz und seine Appelle gegen Bequemlichkeit und Zuschauen wurden weltweit positiv aufgenommen.

Und doch: Dass der Besuch des menschenrechtsaffinen Papstes mehr Flüchtlingsaufnahmebereitschaft auslöst, ist zu bezweifeln – denn mit einer Bemerkung wischte Polens Ministerpräsidentin Beata Szydlo die Papst-Kritik weg. Sicherheit gehe vor, sagte sie. So weit nach den jüngsten IS-Terrorangriffen das Totschlagargument gegen den Asylgedanken, dem nicht mit Appellen, sondern nur mit präziser Aufklärung jedes Einzelfalls beizukommen ist. (Irene Brickner, 1.8.2016)

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