Banken: Kein Ende des Stresses

Kommentar31. Juli 2016, 18:02
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Mehrere Bedrohungen für die Banken wurden bei der neuen Überprüfung ignoriert

Immer diese Banken. Sie kosteten die europäischen Steuerzahler seit Ausbruch der Finanzkrise hunderte Milliarden Euro, und noch immer beschäftigt ihre mangelnde Kapitalausstattung Bankenaufseher und Öffentlichkeit. Im jüngsten Stresstest haben die Geldinstitute bis auf ein paar unbedeutendere Häuser passabel abgeschnitten, doch die Skepsis bleibt groß. Einerseits, weil der Check bei weitem nicht alle Risiken abdeckte, andererseits, weil den Banken ein völlig neues Marktumfeld bevorstehen dürfte. Beide Faktoren könnten Europa noch viele Probleme bringen.

Nicht beiseitegewischt werden sollte die Kernbotschaft des Stresstests: Wenn die 51 analysierten Banken in einem widrigen Szenario mit Konjunktureinbruch, Aktienkursverfall und Währungsturbulenzen im Jahr 2018 immer noch auf einem harten Kapitalpolster von gut neun Prozent (nach 13 Prozent als Ausgangslage) sitzen, dann erfüllen sie immer noch die Vorgaben der Aufsicht. Dass eine nach der anderen Bank in der nächsten Krise einfach umfällt, wie das 2008 der Fall war, diese Gefahr ist dank höherer Reserven deutlich gesunken.

Allerdings kann jedes Szenario hinterfragt werden. So haben sich Forscher damit beschäftigt, was im Falle eines noch größeren Börsenabsturzes passieren würde. Und kommen zu dem Ergebnis, dass den jetzt geprüften Banken 900 Milliarden fehlen würden. Das entspräche fast einer Verdoppelung der jetzigen Kapitalausstattung. Andere Experten wiederum fragen sich, ob der Stresstest durch den Brexit nicht schon überholt ist. Und dann wären da noch die Zinsen, bei denen ein weiteres Abrutschen keinen Eingang in die Kalkulationen gefunden hat. Trotz rezessiven Umfelds unterstellen die Bankenaufseher, dass die 51 Banken immer noch 800 Milliarden Euro an Zinsen einnehmen und noch einmal die Hälfte dessen an Provisionen.

Dabei gibt es gerade hier Anzeichen dafür, dass den Banken ein viel rauerer Wind ins Gesicht blasen wird. Sogenannte Fintechs und Tech-Granden wie Apple, Google oder Facebook machen den klassischen Geldinstituten immer mehr Geschäft abspenstig. Auch wenn beratungsintensive Felder wie Veranlagung, Kommerzkredite oder Investmentbanking den Platzhirschen vorbehalten bleiben dürften: Auf die Spannen wird die neue Konkurrenz allemal drücken. Ob sich dann die genannten Einnahmeprognosen halten lassen werden?

Mängel gibt es auch im Fall der Fälle. Trotz der vielen Fortschritte – insbesondere den Regelungen für eine Auffanglösung durch Aktionäre und Gläubiger anstatt durch den Steuerzahler – würden größere Schieflagen auch heute noch zu erheblichen Verwerfungen führen. Die Risiken in so mancher Bank sind derart riesig, dass die genannten Instrumente samt Abwicklungsfonds bei einem Schlagendwerden nicht ausreichen dürften. Viel spricht dafür, dass zumindest bei großen Zusammenbrüchen neuerlich die Regierungen einspringen würden.

Das wäre fatal, haben die Europäer doch zu Recht den Teufelskreis aus Bank- und Staatsproblemen durchbrochen. Zumindest auf dem Papier. Die gegenseitigen Abhängigkeiten sind nämlich weiterhin enorm. Die Regierungen brauchen die Kreditgeber ja am dringendsten und privilegieren sich selbst, indem die Banken für Staatsanleihen kein Eigenkapital zur Seite legen müssen. Sonst bekämen die hochverschuldeten Länder noch mehr Stress als die Geldinstitute. (Andreas Schnauder, 31.7.2016)

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