Christen und Muslime bei Gedenkfeier für ermordeten Priester in Rouen

31. Juli 2016, 17:05
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2.000 Trauernde in Kathedrale in Frankreich – Cousin soll Attentatspläne gekannt haben – 17-Jähriger in Genf festgenommen – Valls will "Pakt" mit Islam

Rouen – Fünf Tage nach der Ermordung eines katholischen Priesters durch zwei Islamisten in Frankreich haben knapp 2.000 Christen und Muslime an der Gedenkfeier in der Kathedrale von Rouen teilgenommen. Rund hundert Muslime folgten am Sonntag dem Aufruf des Französischen Rats der Muslime (CFCM), aus "Solidarität und Mitgefühl" zu dem Trauergottesdienst für den 85-jährigen Jacques Hamel zu kommen.

"Wir begrüßen heute Morgen besonders unsere muslimischen Freunde", sagte der Erzbischof von Rouen, Dominique Lebrun, der den Gottesdienst in der voll besetzten Kathedrale leitete. Er danke ihnen "im Namen aller Christen". Mit ihrer Teilnahme bekräftigten die Muslime, dass sie Gewalt im Namen Gottes ablehnten, sagte der Erzbischof.

Am Eingang der Kathedrale sicherten Soldaten und Polizisten die Ankunft der Gottesdienstteilnehmer, doch gab es keine Personenkontrollen. Bereits am Samstag hatte es Gedenkfeiern für Hamel gegeben. In einer Kirche von Saint-Étienne-de-Rouvray, wo der Mord geschehen war, nahmen Christen und Muslime an einer Trauerfeier teil. Auch in Bordeaux versammelten sich 400 Menschen in einer Kirche.

In Lyon beteiligten sich hunderte Menschen an einem "Marsch der Brüderlichkeit". Auf Spruchbändern war zu lesen: "Das ist kein Krieg der Religionen" oder "Wir sind alle Brüder und Schwestern". Politiker hatten nach dem Mord in der Kirche die verschiedenen Religionsgemeinden aufgerufen, sich nicht von der Gewalttat spalten zu lassen, da dies nur den Mördern in die Hände spielen würde.

Der 85-jährige Hamel war am Dienstag während der Morgenmesse von zwei 19-jährigen Islamisten ermordet worden. Die beiden jungen Männer Adel Kermiche und Abdel Malik Petitjean hatten die Kirche gestürmt, Hamel die Kehle durchgeschnitten und einen 86-jährigen Gottesdienstbesucher schwer verletzt. Sie nahmen drei Frauen als Geiseln. Die beiden Täter wurden später aber beim Verlassen der Kirche von der Polizei erschossen.

Auch in Italien fanden sich Christen und Muslime zusammen, um für den getöteten Priester zu trauern. Imame beteiligten sich in Mailand, Rom, Neapel, Turin und Triest und anderen Städten an Sonntagsmessen. Katholische Gemeinschaften hatten an die Kirchen appelliert, alle Muslime "brüderlich" zu den Messen zu empfangen.

Indes teilten die Ermittler am Sonntag mit, dass der Cousin eines Angreifers von einer bevorstehenden Gewalttat seines Verwandten wusste. Die Pariser Staatsanwaltschaft beantragte am Sonntag Untersuchungshaft für den 30-Jährigen, wie die Behörde mitteilte. Sie wirft ihm Beteiligung an einer terroristischen Vereinigung vor. Eine Entscheidung über eine Anklage soll noch heute getroffen werden.

Die beiden Täter waren den Behörden als Islamisten bekannt und wurden überwacht, doch blieben ihre Planungen für den Anschlag unentdeckt. Die Zeitungen "La Voix du Nord" und "Le Parisien" berichteten, sie hätten sich auf dem verschlüsselten Mitteilungsdienst Telegram kennengelernt. Dort habe Kermiche auch vor der Tat von einem Angriff mit "einem Messer" in "einer Kirche" geschrieben.

Aus Ermittlungskreisen verlautete, ein 17-Jähriger, der 2015 mit Kermiche versucht hatte, nach Syrien zu reisen, sei im schweizerischen Genf festgenommen und an Frankreich überstellt worden. Ein 16-Jähriger, bei dem Propagandamaterial der Jihadisten gefunden worden war, wurde unterdessen aus dem Gewahrsam entlassen. Sein Bruder war mit Kermiche bekannt und war 2015 in das syrisch-irakische Konfliktgebiet gereist.

Auch ein syrischer Flüchtling, der in einem Asylbewerberheim in Zentralfrankreich festgenommen worden war, kam wieder frei, wie es am Sonntag aus Justizkreisen hieß. Eine Kopie seines Passes war in der Wohnung von Kermiche gefunden worden.

Premierminister Manuel Valls schrieb im "Journal du Dimanche", der Islam habe "seinen Platz in der Republik gefunden". Nun müsse dringend "ein echter Pakt" mit der zweitgrößten Konfessionsgemeinde in Frankreich geschlossen werden. Die Finanzierung der Moscheen aus dem Ausland müsse verringert werden, während im Inland Möglichkeiten geschaffen werden müssten, die Mittel zu diesem Zweck zu erhöhen.

Rund 40 Vertreter der muslimischen Gemeinde äußerten sich in einem weiteren Beitrag für die Sonntagszeitung besorgt über die "Machtlosigkeit der aktuellen Organisationen des Islam in Frankreich", die keinerlei Einfluss auf die Ereignisse hätten. (APA, 31.7.2016)

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